Archiv für April 2010

Das Larry Brent Abenteuerspiel bei ULISSES

Dienstag, 27. April 2010
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Ulisses Spiele arbeitet seit Kurzem an einem Abenteuerspiel zu Larry Brent, der Kultserie von Dan Shocker.

Ulisses Spiele, Herausgeber von DSA hat mit der Abenteurspielreihe eine neue Art von Gesellschaftsspiel kreiert, welche Inhalte aus Rollen-, Brett- und Kartenspielen innovativ miteinander verbindet. Das Regelsystem „Ulisses Universal“ fand 2009 erstmals Anwendung im John Sinclair Abenteuerspiel, welches mit dem RPC Jury Award 2009 gewürdigt wurde. Das Ulisses Universal System ist innovativ und eingängig, weshalb es auch für neue Spieler sehr ansprechend ist.

Das Larry Brent Abenteuerspiel wird ebenfalls auf dem Ulisses Universal System basieren, allerdings mit den entsprechenden Anpassungen an den Hintergrund von Spezialagent Larry Brent. So wird es verschiedene Fertigkeiten, die man bei John Sinclair findet, nicht geben, dafür wurden eigens für Larry Brent neue Spielelemente entwickelt.

Unter Chefredakteuerin Viola Plötz und in enger Zusammenarbeit mit dem Blitz-Verlag wird voraussichtlich im 04. Quartal 2010 das Grundregelwerk zu Larry Brent erscheinen. Es wird, wie das John Sinclair Abenteuerspiel auch, alle nötigen Informationen enthalten, um direkt mit dem im Buch enthaltenen Abenteuer loslegen zu können. Das Larry Brent Abenteuerspiel wird als vollfarbiges Hardcover erscheinen und mit vielen Original Illustrationen des Künstlers Lonati, aber auch neuen Bildern aufwarten können.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung, die wir durch den Blitz-Verlag erfahren. Ich bin sicher, dass wir viel von Jörg Kaegelmanns profundem Wissen über Larry Brent profitieren werden.“ so die Chefedakteurin.

Der erste Larry Brent-Roman erschien bereits 1968 beim Zauberkreisverlag. Doch „Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus“ war nur der Auftakt der erfolgreichen Horrorserie, die ihren Kultstatus jedoch erst durch ihre Vertonung als Hörspielreihe (erschienen bei EUROPA) erlangte.

Für Viele gehört Spezialagent Larry Brent alias X-RAY-3 zu den spannendsten Jugenderinnerungen. Auch Ulisses Spiele Geschäftsführer Markus Plötz hat als Kind heimlich unter seiner Bettdecke die gruseligen Abenteuer des PSA-Agenten geschmöckert und Rick Volabee, der für dieses Projekt als Autor gewonnen werden konnte, ist ebenfalls ein Fan der Kultserie.

„Die PSA, die Psychoanalytische Spezialabteilung, eine internationale Organisation zur Verbrechensbekämpfung übernatürlicher und ungewöhnlicher Fälle und ihre mutigen Agenten haben mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen. Ich mochte diese Mischung aus Agentenroman und Gruselthriller sofort und ich freue mich bereits jetzt darauf diese alten Zeit in geselliger Runde wieder aufleben zu lassen.“ erklärt Rick Volabee.

Florian Don-Schauen verabschiedet sich aus der DSA-Redaktion

Donnerstag, 22. April 2010
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Der langjährige DSA-Redakteur – und für mich fast genauso langjährige Kollege – Florian Don-Schauen hat seinen Abschied aus der DSA-Redaktion genommen. Als alte und neue Kollegen bedauern wir diesen Schritt, denn Florians Expertise sowohl in Lektorats- und Korrektoratsfragen als auch als Mahner zu Einsteigerfreundlichkeit und Verständlichkeit wird uns fehlen.

Florian war seit Anfang der 90er Jahre als Redakteur bei FanPro zuerst mit Earthdawn und später zusammen mit mir mit dem Schwarzen Auge betraut.

Neben seiner Tätigkeit in der DSA-Chefredaktion, der Beteiligung an allen Kerntiteln der 4. Auflage des DSA-Regelwerks, etlichen Regionalspielhilfen und Quellenbänden ist Florian vor allem durch seine beiden beliebten Reihen von Einsteiger-Abenteuern – die Spielsteine-Kampagne und die Abenteuer um den Weißen Berg – bekannt.
Ich wünsche – auch im Namen von Daniel, Patric und Uli – Florian viel Erfolg bei seinen eigenen Projekten. Wir werden bestimmt nicht die letzten Texte von ihm gelesen haben!

Florian ist über sein Textbüro Scriptorium Neanderthal XIII (http://www.neanderthalxiii.de) zu erreichen.

Raumhafen Adamant – Ratschlag 5

Mittwoch, 14. April 2010
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In der Zentrale der Sicherheitskräfte herrschte mehr Aufruhr als in einem Schwarm giftiger Wraga-Braha. Die Männer, Frauen, Hermaphroditen und Mehrgeschlechtler unterschiedlichster Spezies liefen umher, sprachen in ihre Kommunikatoren und glichen ihre Daten immer wieder mit einem großen Datenschirm ab, der im hinteren Bereich schwebte. Milkam wurde aus den darüberlaufenden Zahlenkolonnen und Kartenausschnitten nicht schlau, aber er ahnte, dass all dies mit der bevorstehenden Ratssitzung in Verbindung stand. Es musste ein Albtraum sein, auf einem Planeten wie Adamant die Sicherheit der wichtigsten Politiker des bekannten Universums zu garantieren.
Aber er hatte im Moment seinen eigenen Albtraum zu bewältigen. Sein Erzeuger war tot, und der Angriff war auf keinen Fall zufällig erfolgt. Er blickte auf Sareil, dessen Körper zahlreiche Dellen und Beulen aufwies, im Gegensatz zu seinem eigenen jedoch auch weiterhin voll einsatzfähig war. Sein Geburtsmitling, immerhin der Chefingenieur des Raumhafens, hatte den Arm stillgelegt, damit er nicht ständig Hydrauliköl verspritzte, war nach dieser Aufgabe aber gleich wieder in sich versunken.

Milkam spürte seinen Schmerz und seine Hilflosigkeit wie einen schlechten Geschmack auf den Schleimhäuten.

Er legte ihm die Hand auf die Schulter und wollte eben versuchen, ihn zu trösten, als ein Schatten über sie fiel. Er blickte auf und war überrascht, einen Jasa Apokato vor sich zu sehen. Die Spezies hatte sich einen Namen gemacht, indem sie die besten Attentäter und Terroristen hervorbrachte, dieses gut zwei Meter große Wesen war an seinem feinen Gesichtsflaum und den Haaren am Unterleib deutlich als Geschor zu erkennen. Milkam war schon immer von den drei Geschlechtern der Jasa Apokato fasziniert gewesen und hatte Geschor für sich als Doppelgeschlecht definiert. Sie konnten Kinder austragen, gleichzeitig aber auch welche zeugen, wohingegen die anderen beiden Geschlechter nur das eine oder das andere konnten.

Die schlanke, feingliedrige Gestalt sah auf ein TRAD in ihrer Hand, hob dann den Blick aus großen, wasserblauen Augen und fragte: „Milkam und Sareil Girbal?“

Milkam nickte, erhob sich und reichte ihm die funktionierende Hand. Der Sicherheitsmann sah einen Augenblick darauf und schüttelte sie dann. Dabei nahm die Haut an seiner Hand, eigentlich milchigweiß wie der Rest des Körpers, für einen Augenblick das dunkle Graubraun von Milkams Roboterkörper an.

Der Jasa Apokato war bis auf einen Waffengürtel mit einer Laserpistole und seinem Sicherheitspass an einem Band um den Hals nackt. Als er sich jetzt vorstellte, formte sich jedoch auf seiner Brust ein Kebill-Namensschild: „Ich bin Sonderermittler K-9 Kkim.“

Wie bei den Jasa Apokato üblich beinhaltete sein Namen ein Atemholen und so klang es wie: „Ka – kim“
„Sonderermittler“, sagte Milkam und nickte dem Mann zu, der sich nun umdrehte und auf eine Tür jenseits des Chaos wies. „Gehen wir in ein Vernehmungszimmer, da ist es etwas ruhiger.“

Milkam nickte erneut, hielt dann aber kurz inne, um Sareil auf die Füße und dann hinter sich herzuziehen, während er dem Sicherheitsmann folgte.

Es gab Tumult im Eingangsbereich und Milkam sah über die Schulter. Ein nackter, blutüberströmter K’schigote mit flatternden Backensäcken wurde von vier kräftigen Sicherheitsmännern hereingeschleift.

„Wieder einer von diesen Drogensüchtigen“, kommentierte eine spindeldünne Menschenfrau an einem Getränkeautomaten, den sie in diesem Moment passierten.

„Das nimmt gar kein Ende mehr“, bestätigte ihre Kollegin, eine dickliche Grilbenierin, an der die weiße Kebill-Uniform etwas sehr straff saß.

Dann waren sie im Vernehmungsraum angelangt und Milkam schob Sareil auf einen Stuhl. Er lehnte für sie beide das Getränkeangebot des Sonderermittlers ab.

Der Jasa Apokato ließ sich seufzend auf den Stuhl ihnen gegenüber sinken und nahm den Tee entgegen, der ihm in diesem Moment von einem dünnen, kleinen Roboter auf sechs großen Gummirädern gebracht wurde.

„Entschuldigen Sie die Unruhe … der Rat“, erklärte er und rief dann ihre Aussagen auf seinem TRAD auf, um sie noch einmal zu überfliegen. Der Bildschirm war so programmiert, dass Milkam die Worte aus seinem Blickwinkel nicht lesen konnte.

Der Sonderermittler begann Fragen zu stellen, das Übliche: Feinde, was wollte Girbal auf Adamant, wie war ihr Verhältnis zu ihm, kannten sie die Angreifer und derlei mehr. Milkam antwortete wahrheitsgemäß und auch Sareil schien durch die Ansprache Kkims langsam wieder zu sich zu finden.

Je länger die Befragung dauerte, umso vertrauter kam Milkam der Sonderermittler vor. Die Stimme, die Gestik – all das erinnerte ihn an jemanden. Dabei war er sicher, Kkim nie zuvor getroffen zu haben. Vielleicht eine Ähnlichkeit zu einem Bekannten. Aber zu wem?

Eine halbe Stunde später erhob sich der Sicherheitsmann mit einem Nicken und einem traurigen Lächeln. „Ich werde mich persönlich um die Angelegenheit kümmern.“

Milkam erhob sich ebenfalls. „Vielen Dank. Sie halten uns auf dem Laufenden?“

Kkim nickte und schüttelte ihnen erneut die Hand. Jetzt erst erhob sich auch Sareil. „Sobald ich etwas finde, sind Sie die ersten, die es erfahren. Bleiben Sie bitte in Reichweite des Kommunikationsnetzes des Planeten, falls es weitere Fragen gibt.“

Milkam musterte den Sonderermittler nachdenklich. An wen erinnerte der ihn nur?

„Guten Tag, meine Herren. Und mein aufrichtiges Beileid!“, sagte Kkim, wobei das Mitleid nicht bis in seinen Gesichtsausdruck reichte, dann öffnete er ihnen demonstrativ die Tür, und der Lärm des Büros schlug ihnen wieder entgegen.

Sareil ging als erster hinaus, Milkam folgte und warf dem Jasa Apokato noch einen Blick zu. Der sah ihnen nach und runzelte die nackte Stirn, wodurch der dichte Flaumteppich auf seinem Gesicht Wellen schlug.

„Sag mal, Sareil, kam der Mann dir auch bekannt vor?“, fragte er leise.

„Die sehen doch alle gleich aus“, gab der nur missmutig zurück und wich im letzten Moment einem großen SulSchamo in weißem Schutzanzug aus, der auf jeder Schulter eine doppelläufige Druckkanone trug.

Milkam sah sich noch einmal um, aber Kkim hatte bereits die Tür geschlossen. Sehr merkwürdig …

Narbatur warf sich zur Seite, als sich der Schuss löste. Der betäubte Randalierer traf einen Stapel Bandagen und Tücher hinter ihm im Regal, die von dem grünen Laserstrahl sofort in Brand gesetzt wurden. Narbatur rollte sich hinter einer dritten Behandlungsliege ab und kam wieder auf die Beine. Als der Angreifer wieder in Sicht kam, stand Narjanka bereits neben ihm, holte aus und verpasste dem Mann einen wuchtigen Schwinger.

Der Kopf des Mannes ruckte herum, die Augen noch immer geschlossen, doch der Treffer streckte ihn nicht zu Boden, was den Hakhasu aus dem Konzept brachte. Er starrte den Menschen einige Augenblicke verwundert an, lang genug, damit der die Laserpistole auf Narjankas Brust richten konnte.

Narbatur ergriff das erstbeste, was er in die Finger bekam und schleuderte es nach dem noch immer mit geschlossenen Augen dastehenden Menschen. Es war eine schwere Elektrosäge. Doch kurz bevor das klobige Ding die Hand des Menschen traf, wurde es von einer unsichtbaren Kraft aus der Bahn geworfen und traf Narjanka hart im Gesicht. Der Hakhasu wurde nach hinten geschleudert. PSI, schoss es Narbatur durch den Kopf.

Das dumpfe Klatschen hallte durch den Raum, wurde dann aber vom erneuten Fauchen der Laserpistole übertönt. Der Schuss sauste keine Handbreit an dem zurücktaumelnden Sicherheitsmann vorbei in die Deckenpanelen.

Narbatur sprang vor, aber da schwenkte der Mann schon wieder zu ihm herum. Er sah, wie sich der Finger erneut krümmte.

Die Klone warfen sich plötzlich auf den Betäubten. Einer klammerte sich an den Unterarm und zwang die Waffe nach unten, einer landete auf seinem Kopf und brachte ihn aus dem Gleichgewicht, was der Dritte nutzte, um hinter ihm auf alle Viere zu fallen, so dass er über ihn stolperte.

Der Mann ging zu Boden, die Laserpistole flog durch die Luft. Narbatur hechtete nach ihr, aber sie prallte an einem der Tische ab und schlitterte durch den Raum von ihm weg.

Der Mann landete in einem Klonknäuel, doch im nächsten Augenblick wurden die drei hellblauen, kleinen Gestalten wie von einer Explosion von ihm heruntergeschleudert und der Bewusstlose kam wie von Fäden gezogen wieder auf die Beine.

Er wandte sich zur Tür, aber dort hatte Narjanka Stellung bezogen, die Waffe im Anschlag. Er wirbelte herum, wollte zum Lüftungsschacht springen, aber Narbatur erhob sich in diesem Moment mit der Laserpistole in den Händen und rief: „Keine Bewegung!“

Dichter Rauch füllte den Raum zunehmend aus und Narbatur spürte ein Kratzen im Hals.

Der Mann stand einen Moment reglos da, dann wirbelte er herum und nahm etwas von einem Wagen. Es summte, und Narjanka schoss. Der Laserstrahl fuhr in die Brust des Randalierers und ein rauchendes Loch entstand, aber der Mann bewegte sich weiter.

„Was bei allen Sternschnuppen?“, fluchte der Hakhasu und legte erneut an, aber da drückte sich der Mensch zwei flache, mit Griffen ausgestattete Scheiben an die Schläfen.

„Nein!“, rief Alpha, der sich eben aus einem Stapel leerer Kartons freistrampelte.

Doch es war schon zu spät. Ein lautes Knistern ertönte, als der Mann den Knopf an dem Gerät drückte.

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 4

Dienstag, 13. April 2010
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Milkam starrte entsetzt auf Sareil, dessen eingedrückter Körper schlaff auf der Vorderradhaube des dreirädrigen Antigrav-Motorrads lag.

„Sareil!“, rief er und schüttelte den Kopf des Roboterkörpers, aber nichts geschah. Verzweifelt sah er von dem Fleck am Boden, der einmal sein Erzeuger gewesen war, zu seinem Mitgeborenen. Beide waren tot. Und das Schlimmste: Sareil und er hatten sich in den letzten Monaten nur gestritten. Wenn Saht weinen könnten, er hätte bittere Tränen in seine Nährlösung vergossen. Er hätte sich mit ihm versöhnen sollen, ihm verzeihen, doch jetzt war er nicht mehr. Sareil war fort!

Doch da glomm plötzlich das Licht in den Augen von Sareils Roboterkörper auf und er hob den Kopf.

Milkam sprang zu ihm: „Sareil, du lebst! Alles in Ordnung?“

„Girbal“, stammelte der Angesprochene und sein Körper richtete sich ruckartig auf.

Milkam beugte sich vor, halb zerrissen vom Schmerz um seinen Erzeuger und der Freude, dass Sareil noch lebte. Er rief: „Ich dachte, ich hätte dich verloren“ und wollte den formbaren Körper umarmen. Doch stattdessen ergoss sich ein Regen aus mittlerweile erkalteter Hydraulikflüssigkeit über sie beide.

Sareil drehte ihm das Gesicht zu, wischte sich mit einer Hand die Sensoren frei und sagte: „Girbal ist tot!“

Milkam nickte, schob aber die Verzweiflung und die Wut beiseite, um seinem Bruder zu helfen. Er hatte das Antigrav-Motorrad gerade zurückgesetzt, wobei der Leib des K’schigoten wie ein feuchtes Tuch zu Boden klatschte, da erklang hinter ihm das Surren eines Gleiters und eine Lautsprecherstimme: „Werfen Sie die Hände weg und heben Sie die Waffen.“

Milkam drehte sich verwundert um und sah einen Zweimanngleiter der Planetensicherheit, in schmuckem Kebil-Grauweiß. Er schwebte auf der Stelle und hatte Laserkanonen auf sie gerichtete, war aber zu breit für die Gasse.
„Ich meine: werfen Sie die Waffen weg und heben Sie die Hände!“, korrigierte sich der nervöse, junge Mensch auf dem Beifahrersitz. Der Pilot, ein Fleutar mit gezackten Wülsten und erkennbarem Übergewicht, verdrehte die Augen und setzte zur Landung an.

„Wir haben keine Waffen!“, rief Milkam und half seinem Bruder auf. „Und ich kann nur einen Arm heben.“
Der Fleutar stieg aus und seine grüne Haut schimmerte blasslila, weil der Schutzschirm über der bunten Stadt jetzt ein dunkles Blaurot annahm.

Der junge Mensch folgte eilig und zog seine Waffe, schob sich mit kleinen, scharrenden Schritten auf sie zu und warf immer wieder nervöse Blicke zu dem Fleutar, der in aller Seelenruhe eine Süßigkeit aus der Tasche zog und sich in den Mund steckte.

„Na, was haben wir hier?“, fragte er, als er die beiden Saht erreicht hatte, und Milkam erzählte es ihm.

Narbatur kam mit einem Zucken wieder zu sich, das ihn fast von der Behandlungsliege gerissen hätte. Narjankas riesige Pranke legte sich auf seine Brust und verhinderte den Sturz. „Ganz ruhig, Menschlein.“

Narbatur nickte dankbar und richtete sich auf. Er befand sich auf der Krankenstation. Neben ihm lag der Randalierer auf einem anderen Behandlungbett und ein sentralitischer Klon beugte sich gerade über ihn, um mit einem Scanner seine Werte zu messen. Das Licht des Bildschirms ließ die blassblaue Haut des künstlich erzeugten Wesens schimmern. Der kindliche Körper machte einen Schemel notwendig, um an den Patienten zu gelangen und die langen Fransen, die vor dem Mund des Klons herabhingen, lagen fast auf der Stirn des Gefangenen.

„Der böse Mann tut schlafen“, sagte eine helle Stimme neben ihm und als Narbatur zur Seite blickte, entdeckte er einen identischen Klon dort.

„Gamma“, korrigierte nun ein dritter, der um die Liege in Sicht kam und einen Dermaltransgressor in der Hand hielt.

„Es heißt: Der böse Mann schläft.“

„Ja, gut, Beta. Darf ich das machen?“, fragte der Kleine und lief aufgeregt zu seinem Pendant. Dabei sah Narbatur den griechischen Buchstaben Gamma, der groß auf den Rücken seines Overalls geprägt war.

„Das sind Alpha, Beta und Gamma“, erklärte Narjanka schmunzelnd. „Sie sind Berater des Kommandanten und manchmal vertreten sie Milkam.“

„Aha“, sagte Narbatur. Er wusste nie, wie er sich Klonen gegenüber verhalten sollte. Eigentlich verabscheute er die Idee, dass die Sentraliten diese Wesen als lebendige Datenbanken und künstliche Fachkräfte züchteten. Aber der Sternenrat hatte es genehmigt und die Klone selbst konnten ja auch nichts dafür.

„Ich will aber!“, quengelte Gamma und zog an dem Dermaltransgressor, den Beta nicht losließ.

„Geh, spiel mit deinen Antigrav-Bausteinen“, verlangte der und schob Gamma beiseite.

„Manno, nix darf ich“, beschwerte sich Gamma, trat gegen den Schemel, auf dem der dritte Klon, dann wohl Alpha, ins Schwanken kam, und ging in die Ecke, wo einige 3D-Bausteine schwebten. „Das sage ich Papa!“

„Was ist mit ihm?“, fragte Narbatur flüsternd und nickte zu Gamma hinüber. Das war der erste Klon, von dem er hörte, der auf einem kleinkindlichen Stand war.

„Lange Geschichte“, antwortete Alpha an Stelle des Hakhasu und sprang vom Schemel, während Beta den Transgressor ansetzte. „Das hier stellt den Mann einige Stunden ruhig.“

„War es wieder diese Droge?“, fragte Narbatur, massierte das letzte Kribbeln aus seinen Fingern und rutschte von der Liege.

„Wir haben noch keine Blutprobe genommen, aber es ist davon auszugehen“, sagte Alpha.

„Tolle Idee, dich selbst mitzuschocken“, höhnte Narjanka. „Und wenn er noch Freunde dabei gehabt hätte?“

„Oh, hat der große böse Hakhasu Angst vor ein paar Menschen auf Drogen?“

Narjanka schnaubte. „Wenn du das jetzt öfter vorhast, nehme ich eine Antigrav-Trage mit, du bist ganz schön schwer geworden.“

„Alles Muskeln“, gab Narbatur zurück.

„Ich nehme jetzt die Untersuchung vor, dann könnt ihr beiden ihn mitnehmen“, verkündete Alpha und Beta baute sich neben Narbatur auf. „Streitet ihr euch öfter?“

Narbatur sah verwundert zu dem kaum einen Meter großen Klon hinab. „Ständig“, sagte er mit einem Schmunzeln.

„Seid ihr schon lange zusammen?“

„Seit meinem ersten Tag auf dem Raumhafen“, berichtete der Mensch.

„Und jetzt ist die erste Herzensglut vorbei, wie die SulShamo sagen, was?“, fragte Beta mitfühlend und legte Narbatur die eine und Narjanka die andere Hand auf den Arm. „Das wird schon wieder!“,

„Was?“, rief Narbatur entsetzt und beeilte sich zu versichern: „Nein, ich … wir sind kein Paar! Ich …“

Narjanka lachte und tätschelte ihm den Kopf. „Wer weiß, was nicht ist …“

Narbatur wich zurück. Die Hakhasu hatten in der Regel kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen, aber Narbatur war sicher, dass Narjanka ihn nur aufzog. Oder?

In diesem Moment flog die Laserpistole aus dem Holster des Hakhasu, landete in der Hand des ohnmächtigen Randalierers und richtete sich schwankend auf Alpha.

Der Klon machte keine Anstalten auszuweichen, sondern stammelte: „Das kann nicht sein! Der Kerl ist völlig abgeschossen!“

Tatsächlich waren die Augen des Liegenden geschlossen, dennoch glitt er jetzt von der Liege, richtete sich auf und die Pistole schwenkte auf Narbatur herum. Betäubt oder nicht … er würde schießen!

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 3

Montag, 12. April 2010
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Milkam hätte die Augen zugekniffen, wenn sein Körper diese Funktion besessen hätte, aber so blieb ihm nur übrig, dem hellen Blitz entgegenzublicken, der auf ihn niederraste – und dann an einer unsichtbaren Barriere unmittelbar vor seiner Brust abprallte.
Milkam, Sareil, ihr müsst etwas tun!, hörte er die wahre, warme Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Sie klang fürchterlich schwach und zittrig. Girbal hatte seine psionische Kraft eingesetzt, um ihn zu retten. Jetzt müsste Milkam handeln, um seine Familie zu retten.

Die Vulbrina blickte verwundert auf die Waffe in ihrer Hand und das gab Milkam die kurze Verschnaufpause, die er brauchte. Er richtete sich auf und zog die Frau zu sich herunter, dann hob er den defekten Arm. Die Metallgliedmaße regte sich nicht, aber aus dem Loch schoss ein Geysir kochender Flüssigkeit und traf die Angreiferin im Gesicht.
Die bäumte sich kreischend auf, und in diesem Moment handelte auch Sareil. Sein unglaublich beweglicher Roboterkörper zog die Beine an und trat gegen die Waffe des Hakhasu, der über ihm stand. Die Wucht trieb den Giganten herum und der Schuss der Kanone löste sich, raste durch die Gasse und schleuderte die kreischende Vulbrina von Milkam herunter.
Milkam riss den anderen Arm hoch und fing die Diffusorpistole aus der Luft, die der Davongeschleuderten aus der Hand gesegelt war. „Auf Wiedersehen, Schnecke“, sagte er grimmig.

Der Hahkasu grunzte wütend und schlug mit dem Gewehrkolben nach Sareil, doch der schaffte es, sich zur Seite zu rollen. Dann schoss Milkam dem Söldner in den Rücken. Der Diffusorstrahl brauchte einen Augenblick, um sich durch die dicke Panzerung des Halsabschneiders zu brennen, aber dann fraß er sich in sein Fleisch. Der Kerl wirbelte herum und feuerte seine erneut geladene Druckkanone ab. Der Treffer warf Milkam von den Beinen, zermalmte die Waffe in seiner Hand und beulte die Brustplatte ein. Es war, als sei Milkam vor einen unsichtbaren Hochgeschwindigkeitsgleiter gesprungen.

Er überschlug sich einige Male polternd, dann landete er auf etwas Weichem. Er brauchte einige Augenblicke, um zu erkennen, dass es die Leichen der Grilbenier waren. Hastig sah er sich um, fand eine Laserpistole und wollte sie aufheben. Nur hatte auch sein anderes Schultergelenk etwas abbekommen und er bekam den Arm nicht mehr hoch.

Entsetzt sah er zu Sareil, der in diesem Moment auf den Schultern des Hakhasu landete, seine Oberschenkel um den Kopf schlang und ihm mit einem Rück das Genick brach.

Milkam stieß einen triumphierenden Schrei aus, doch dann erfüllte ein rötlicher Schein die Gasse, erklang das Brüllen einer plötzlichen Flamme und als er den Blick herumriss, sah er noch eine Wolke verdampfter Nährflüssigkeit aufsteigen. Er folgte ihr mit einem eisigen Gefühl im Magen bis zu ihrem Ursprung. Der Rand des von der Thermomachete geteilten Roboterschädels seines Erzeugers glühte noch. Der gekochte, verdrehte Leib Girbals rutschte heraus auf den Boden und wirkte neben dem schweren Stiefel des Angreifers winzig.
Der K’schigote hob mit einem gemeinen Lachen den Fuß.

Flieht, ihr Narren!, hörte er die angestrengte Stimme seines Erzeugers in seinem Kopf. Dann folgte das Bild eines Fleutar, dessen gelbe Wulste sich beinahe wie drei Kreise um seine Nase zogen.

„Nein!“, schrie Milkam, wollte die Arme hochreißen, doch sein Körper verweigerte den Dienst.

In diesem Moment sauste der Stiefel des K’schigoten hinab, und sein Erzeuger war nicht mehr.

Milkam wurde schwindelig, als die Verbindung, dieses feine, manchmal kaum spürbare Band abriss, das ihn seit seiner Geburt mit dem Wesen verbunden hatte.

Der K’schigote drehte sich um und zeigte mit der Machete auf Milkam. „Und jetzt zu euch!“

Milkam brüllte eine unartikulierte Herausforderung, schlug seine Schulter gegen die Wand, um sie wieder beweglich zu machen, und schaffte es tatsächlich, den Arm zu heben.

Der K’schigote lachte mit vollem Sackeinsatz und lief auf Milkam los. Der hob die Laserpistole und schoss auf den Mörder, aber die Waffe gab nur ein leises Quietschen von sich. Die andere Hand des Mannes präsentierte eine Fernbedienung. „Alle deaktiviert“, lachte er und forderte: „Wirst dich schon Mann gegen glitschiger Wurm mit mir messen müssen!“

Milkam brüllte frustriert und schleuderte die Waffe auf seinen Angreifer, der sie achtlos aus der Luft schlug. Trotz der unglaublichen, ohnmächtigen Wut in seinem Inneren war Milkam bewusst, dass er diesen Veteranen nicht im Nahkampf besiegen konnte.

Der K’schigote wurde schneller, pumpte Luft für ein Kampfgeheul in seinen Sack und holte mit der Machete aus, den Finger auf dem Knopf, der sie in Sekundenbruchteilen bis zur Weißglut aufheizen würde.

Milkam spürte die Leere, die der Tod seines Vaters hinterlassen hatte, aber er spürte auch noch etwas anderes: eine Art drückenden Gefühls unter seinen Augenstilen. Er kannte diesen Druck – es war sein verkümmertes PSI-Talent. Er konzentrierte sich darauf, ignorierte den K’schigoten und dann … hob er den Roboterarm und drückte den Starthebel des Antigrav-Motorrads, das er aus dem Augenwinkel sah, nur mit der Kraft seiner Gedanken ganz nach vorne. Im selben Augenblick ließ er sich fallen.

Das Gefährt schoss über ihn hinweg, kurz lastete das Antigra-Feld schwer auf seinem Rücken, dann gab es einen lauten Knall, als das Fahrzeug den Mörder erfasste und einen weiteren, als es ihn in die Wand rammte.

Milkam übertönte das Poltern der Trümmer mit einem lauten Schrei und stürmte dem Fahrzeug hinterher. Aber als er die halb eingestürzte Wand erreichte, verklang sein Schrei. Das Fahrzeug hatte auch Sareil mit sich gerissen, der nun neben dem K’schigoten eingequetscht war. Milkam sprang zu ihm, rüttelte an seinem Kopf, rief seinen Namen. Aber er reagierte nicht.

Narbatur riss die Hände hoch und bekam das Handgelenk des Verrückten zu fassen, aber der war grotesk stark, zwang die Scherbe immer weiter bis zu seinem Hals.

Narjanka hatte seine Laserpistole gezogen, angelegt und rief: „Soll ich schießen?“

Narbatur blickte in den schimmernden Lauf der Waffe und keuchte: „Nein!“

„Ich kann ihn treffen!“

„Nein!“, wiederholte Narbatur, denn der Angreifer mochte verrückt sein, aber dumm war er nicht, sondern hielt sich immer hinter seiner Geisel in Deckung.

„Soll ich?!“

„Nein!“, stöhnte Narbatur, der einsehen musste, dass der Angreifer ihm überlegen war. Also riss er die Hand mit einem Ruck nach unten, damit die Scherbe nicht direkt an seiner Kehle lag, ließ los und schoss mit seiner Bogenschlagwaffe auf sich selbst. Der blaue Lichtbogen schlug aus der Spitze, zuckte als krampfender Schmerz seinen Arm und Hals entlang und pflanzte sich dann in den Körper des Angreifers fort. Einige Augenblicke zuckten sie beide im Takt, dann wurde es schwarz um Narbatur.

Wird fortgesetzt …

Raumhafen Adamant – Ratschlag 2

Dienstag, 06. April 2010
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Milkam starrte auf die heranstürmende Horde und fühlte sich wie gelähmt. Sie würden sterben, in einer schäbigen Seitengasse in diesem Sündenpfuhl, und er würde nicht einmal erfahren, warum.

„Sareil, kümmere dich um den Hakhasu, Milkam, halte mir die Vulbrina vom Leib. Mit dem Rest werde ich fertig“, rief Girbal und Milkam spürte das vertraute Prickeln, wenn sein Erzeuger die psionischen Kräfte heraufbeschwor. Ansatzlos wirbelten die ersten beiden Grilbenier herum und eröffneten das Feuer auf ihre Kameraden. Sareil holte Schwung, lief einige Schritte die Wand hinauf und fing den Hakhasu in der Luft ab, bevor er landen und seine Druckkanone abfeuern konnte. Das zusätzliche Gewicht des stabilen Roboterkörpers überlastete die Antigrav-Stiefel, die mit einem Kreischen den Geist aufgaben. Gemeinsam stürzten die beiden zu Boden.

Jetzt erst konnte Milkam sich von dem Anblick losreißen. Er rannte auf die Vulbrina zu, die nun elegant landete und schoss. Im letzten Moment warf Milkam den Kopf zur Seite, so dass der schimmernde Diffusorstrahl ihn verfehlte, aber der Lasertreffer brannte sich durch seine Schulter. Die Warnhinweise des Roboters wurden Milkam als unangenehmes Ziehen übermittelt. Nicht vergleichbar mit den Schmerzen einer wirklichen Verletzung, aber deutlich genug.
Milkam wollte die Arme heben, um die Frau anzuspringen, aber der rechte versagte den Dienst. Stattdessen stieß der Roboterkörper zischend eine Fontäne kochender Hydraulikflüssigkeit aus dem Loch in der Schulter, die sich als feiner Nebel auf Milkams Videoscanner legte und ihn blendete.

Er taumelte weiter, doch die Vulbrina war nicht mehr vor ihm. Stattdessen landete etwas mit unglaublicher Wucht in seinem Rücken und riss ihn zu Boden. Er rollte sich über den intakten Arm ab, aber das Gewicht der Angreiferin drückte seinen Kopf auf den Boden. Dabei wischte der feuchte Müll zwar das Öl von seinen Scannern, so dass Milkam wieder sehen konnte, aber gleich darauf wünschte er sich fast, er wäre weiter blind.

Der Hahkasu hockte auf Sareil, die Druckkanone achtlos neben sich am Boden, und drosch wieder und wieder mit den Fäusten auf das formbare Gesicht ein. Noch schnellten Sareils Gesichtszüge in ihre programmierte Form zurück, aber der Schädel wurde dabei so durchgeschüttelt, dass Sareil, der im Innern in seiner Nährlösung schwamm, sicher übel gegen die Wände geschleudert wurde.

Girbal stand, die aus kleinen Messingkugeln zusammengesetzten Hände erhoben, noch immer mitten in der Gasse. Zwei der Grilbenier lagen reglos am Boden, ein weiterer umklammerte seine Hand mit der Pistole, und versuchte sie daran zu hindern, ihm selbst ins Gesicht zu schießen. Der vierte feuerte auf Milkams Erzeuger, doch der Laserstrahl wurde von dem Messingkörper reflektiert und schlug in eine Wand ein.

Jetzt brüllte der einsäckige K’schigote herausfordernd und sprang, eine gewaltige Thermomachete aus einer Scheide an seinem Gefährt ziehend, in die Gasse.

„Hey, Schnecke“, zischte die Vulbrina und warf ihn auf den Rücken, stellte sich auf seinen funktionierenden Arm und beugte sich über ihn. Die Diffusorpistole richtete sich auf seinen Kopf, die Laserpistole auf seine Brust, und ihr dritter Arm mit dem Messer, legte sich an seinen Unterleib. Ihr schmales, hübsches Gesicht blähte sich auf, bis es ein Spiegelbild des unförmigen Gesichts von Milkams Roboterkörper war, auf dem ein spöttisches Lächeln lag.
„Hat es für einen richtigen Körper nicht gereicht?“, spottete sie und Milkam hörte das Summen der Waffen unnatürlich laut.

„Ich habe wenigstens einen Körper für mein Geld bekommen, und nicht Geld für meinen Körper“, gab Milkam zurück.
„Die Frau mit der Waffe beleidigen, eine dumme Idee!“, lachte die Vulbrina und stieß mit dem Messer zu. Die Klinge drang durch die Außenhülle in das Filtersystem der Nährflüssigkeit.

Milkam ignorierte den symbolischen Schmerz und wandte hilfesuchend den Kopf, aber es sah schlecht aus. Girbal hatte den letzten stehenden Grilbenier auf den K’schigoten gehetzt, aber der schwang seine Machete in weitem Bogen und köpfte seinen Kameraden gerade ohne mit der Nickhaut zu zucken. Girbals Hände zitterten bereits, und Milkam spürte, dass sein Erzeuger nicht mehr lange standhalten würde.

Sareils Gegner hatte den Spaß an der Drescherei verloren und legte nun mit der Druckkanone an, auf deren Seite der Ladestatus von rot zu grün wechselte.

„Sag auf Wiedersehen, Schnecke!“, forderte die Vulbrina und drückte ab.

Narbatur verdrehte hinter Narjanka die Augen und hob den Arm, um auf seinem Kommunikator die Zeit abzulesen. 27 Uhr 13. Noch eine Dreiviertelstunde, dann wäre ihre Schicht zuende, und so sehr er den riesigen Hakhasu mochte, heute ging der Kerl ihm auf die Nerven.

„Ich mein ja nur – sicher, es hat ein bisschen mehr gekostet, aber so ein Gravitationskompensator macht sich spätestens bei engen Flugmanövern bezahlt.“

Narjanka drehte sich zu ihm um und fragte: „Hörst du mir eigentlich zu?“

„Sicher“, log Narbatur und winkte Olianka vom Informationsstand zu. Sie hatten einmal eine feuchtfröhliche Nacht verbracht, aus der sich aber nicht mehr entwickelt hatte. „Tolle Ausstattung, tolle Farbe, toller Preis, toller Gleiter. Trifft es das so in etwa?“

Narjanka öffnete das große Maul zu einer Erwiderung, aber da erklangen aufgeregte Rufe aus dem Ringsegment vor ihnen.

Narbatur streckte sich, konnte aber über eine Gruppe menschlicher Kebil-Beamter inklusive Reiseführer hinweg nichts erkennen, die gerade den Infostand belagerten. Kurzentschlossen sprang er auf den Rand eines mit Adamantblumen bestückten Bottichs.

In diesem Moment flog ein untersetzter Mensch in Kebil-Uniform durch das Schaufenster einer kleinen Kneipe neben Zugangstor 14. Der Mann rollte aus wie eine weggeworfene Puppe, dann landete ein weiterer Mensch im Fensterrahmen, hielt sich ohne die Schnitte zu bemerken am mit Scherben besetzten Rand fest und rollte wie irr mit dem Kopf.

„Da vorne“, rief Narbatur seinem Kollegen zu und wies auf den Mann.

„Ich seh’s“, versetzte der deutlich größere Sicherheitsmann und stürmte los. „Platz da! Sicherheit! Aus dem Weg!“, brüllte er. Ein dürrer Kebil-Ingenieur mit wirrem Haar reagierte nicht schnell genug, blieb in der sich öffnenden Schneise stehen und wurde von Narjanka mit einem Schulterstoß in seine Kollegen gekegelt.

Narbatur stürmte hinterher und rief dem verwirrten Mann eine Entschuldigung zu. Dann konzentrierte er sich auf seine ihm innewohnende Kraft, ließ seinen Geist in seine Muskeln sickern und stärkte sie. Von dieser zusätzlichen Energie beflügelt, überholte er Narjanka, was diesem ein unwilliges Grunzen entlockte.

Kurz bevor sie den Angreifer erreichten, riss dieser eine Glasscherbe aus dem Rahmen und sprang auf den Boden, um nach einer verängstigten Vulbrina-Servicekraft zu hacken.

Narbatur hob seinen Arm, lud die Bogenschlagwaffe und kam schlitternd vor dem Mann zum stehen. Der stierte ihn aus blutunterlaufenen, boshaften Augen an und wandte sich nun dem neuen Opfer zu. „Waffe weg!“, forderte Narbatur und legte an.

Narjanka hielt sich nicht mit dem Protokoll auf, als er nun ebenfalls ankam. Er lief einfach auf den Verbrecher zu und trat ihm vor die Brust. Der Treffer warf den Mann mehrere Meter rückwärts durch die Luft und gegen die Wand der Kneipe, an der er abtropfte und zu Boden ging.

„Du redest zuviel“, sagte Narjanka mit einem zufriedenen Grinsen.

„Sagt der Mann, der mich seit sieben Stunden mit seinem neuen Gleiter vollblubbert“, gab Narbatur zurück und trat zu dem Randalierer, der mit geschlossenen Augen und einer Platzwunde an der Stirn am Boden lag. Er drehte sich zu dem Hakhasu um. „Der muss erstmal auf die Krankenstation!“

„Vorsicht!“, warnte Narjanka, aber da war es schon zu spät – Narbatur spürte eine Hand im Haar und die Glasscherbe legte sich ihm an den Hals. Gleichzeitig klang ihm das irre Lachen des Verbrechers im Ohr.

Wird fortgesetzt …