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Raumhafen Adamant – Ratschlag 9 + 10

Dienstag, 27. Juli 2010
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9

 Ein Piepsen aus dem Monitor des Spektrographen (Gerät zur mehrdimensionalen Spektralanalyse) verriet, dass die Daten endlich eintrafen. Alpha und Beta (sentralitische Klone, fast fünf Jahre alt, Erweiterung des Lebenszeitraums beantragt) sprangen von dem improvisierten Brettspiel (Freizeitgestaltung mit Figuren und festgesetzten Regeln) aus Reagenzgläsern, Stopfen und Tupfern auf und Gamma folgte ihnen. Er hatte zwar keine Ahnung, was da so wichtig war, aber er folgte seinen Brüdern stets überallhin. Meist wurde es dann spannend. Jetzt starrten sie wie gebannt auf einen Balken (Downloadstatus, beendet bei 100 Prozent), der langsam immer länger wurde. Nach einer Weile wurde das sehr langweilig und Gamma ging lieber zu dem Mann (Mensch, männlich, schlechter Allgemeinzustand) herüber. Irgendjemand hatte seinen Kopf versteckt, und Gamma beschloss, ihn zu suchen, damit er sich mit dem Mann unterhalten konnte. Ohne Kopf ging das ja bei Menschen nicht (Homo Sapiens Sapiens erzeugt Laute durch die Zusammenarbeit von Atmung und Stimmbändern).

Er durchwühlte den Mülleimer, sah in jeden Schrank, aber der Kopf war nirgendwo zu finden. Da ging die Tür auf und Gosen (Kommandant des Raumhafen Adamant, Fleutar, einziges Individuum der Spezies ohne Naniten) kam herein. Gamma jauchzte auf, rief: „Papa!“, und lief zu ihm hinüber. Aber der Fleutar nahm ihn nicht auf den Arm, tätschelte ihm nur abwesend einmal den Kopf und fragte: „Was wird das denn hier?“

„Milkam ist beschäftigt. Wir vertreten ihn“, erklärte Alpha.

Gamma lehnte sich an Gosens Bein und forderte: „Arm!“

Gosen schob ihn mit dem Knie beiseite und sagte: „Nicht jetzt. Ich habe euch schon mehrfach gesagt, dass ihr nicht qualifiziert seid. Ihr habt keine K-Einstufung.“

(Kebill-Einstufung, Rang- und Fähigkeitseinordnung von 1 bis 12 im jeweiligen Fachgebiet)

Gamma lehnte sich erneut an sein Bein, aber Beta rief genervt: „Gamma!“

(sentralitischer Klon, Alter: gerundet 5 Jahre, biologische Datenbank, defekt, eingeschränkte Zerebralfunktionen, unkontrollierbare Informationsfreigabe)

Gamma schüttelte den Kopf, um die Informationskaskade über seine eigene Person zu stoppen, bevor sie zu umfassend wurde und er sich in ihr verlor.

„Wir sind mehr als qualifiziert. Ich besitze das Wissen von mehreren Dutzend Ärzten und …“, wandte Alpha ein.

„Schluss!“, blaffte Gosen und Gamma erschrak. „Wisst ihr, was das Konsortium mit mir macht, wenn ich hier medizinisches Personal ohne Freigabe arbeiten lasse? Ihr verschwindet sofort hier.“

Gamma wich vor Gosen zurück. Sein Gesicht war ganz böse und er wies mit dem Finger zur Tür.

„Gleich, wir müssen nur eben …“, setzte Beta an, wurde aber von Gosen unterbrochen: „Raus! Doktor Simli übernimmt.“

(Grilbenische Ärztin, K-6, Fachrichtung: Verletzungen und Brüche)

Gamma strich Gosen übers Bein und sagte: „Nicht bös sein, Papa!“

„Gamma, verdammt, das gilt auch für dich. Alle raus hier! Ich habe die Nase voll von eurem Unfug!“ Gosen schrie jetzt regelrecht. So wütend hatte Gamma ihn noch nie erlebt. Es war fast, als wäre er ein anderer Fleutar. Gamma wich zurück und spürte Alphas und Betas Hand in seinen. Sie führten ihn mit grimmigem Blick an Gosen vorbei, der auf sie hinabfunkelte.

Kaum schloss sich die Tür hinter ihnen, schluchzte Gamma auf. Tränen liefen ihm über die Wangen und tropften von seinen Lippenfasern auf seinen Overall. Warum war Gosen so gemein?

„Ich hab gar nichts gemacht“, presste er zwischen Schluchzern hervor und Beta streichelte seinen Kopf. „Nein, Gamma, das hast du nicht.“

„Wir brauchen diese Ergebnisse“, sagte Alpha leise und sah sich über die Schulter um. „Und wir holen sie uns, ob es Gosen passt oder nicht.“

Narbatur blickte auf seinen Kollegen, der wütend auf- und abstampfte. Seine verletzte Ehre, sein zerdepperter Gleiter und seine kulturelle Inflexibilität hielten ihn seit mehr als einer Stunde auf Trab.

Hinter der kräftigen Gestalt des Hakhasu befand sich ein Einweg-Spiegel und im Raum dahinter saß die Gefangene in Handschellen an einem Tisch.

„Soll ich lieber allein mit ihr sprechen?“, wagte er sich vorzuschlagen und Narjanka wirbelte herum. „Wieso?“, blaffte er. „Stör ich den Herrn Supersicherheitsmann bei seiner Arbeit?“

„Nö“, sagte Narbatur und zwang sich, von der Aggressivität nicht angesteckt zu werden. „Aber im Moment habe ich Angst, dass du ihr den Kopf abreißt.“

Der Mann blieb wie vom Blitz gerührt stehen und sah ihn ungläubig an. „Ich würde niemals eine Frau schlagen.“

„Gut zu wissen“, sagte Narbatur und nickte zur Scheibe. „Und was hat sie so Schlimmes angestellt?“

„Sie ist eine Frau.“

Narbatur machte eine auffordernde Handbewegung und sein Gegenüber fuhr fort: „Frauen bleiben zuhause, hüten die Kinder, kochen, so was. Sie bauen keine Häuser und ganz sicher dealen sie nicht!“

„Das ist aber ziemlich … konservativ?“, wandte Narbatur ein.

„Unfug, das ist die Ordnung der Dinge! Wenn ich eine Frau bin, halte ich mich doch auch daran!“

Narbatur stutzte kurz, dann fiel ihm wieder ein, dass Hakhasu alle zehn bis zwanzig Jahre das Geschlecht wechselten.

„Wie dem auch sei … das mit den Drogen können wir ihr vorwerfen, das mit dem Job nicht. Hier herrscht Kebill-Recht.“

„Jaja“, sagte Narjanka und winkte ab, hatte sich aber etwas beruhigt.

„Wollen wir dann?“ Narbatur trat zur Tür, die in das Verhörzimmer führte und sein Kollege nickte.

„Lass mich raten, ich mache den guten Bullen.“ Das entlockte Narjanka ein Lächeln.

Sareil folgte dem Raumflug-Angestellten durch die gesicherte Personalschleuse in die hinteren Bereiche des Ankunftsbereiches. Auch hier war das meiste kebill-typisch in Weiß gehalten, aber die Beleuchtung war greller, der Geräuschpegel durch die Maschinen und Verladeroboter deutlich höher und der Boden nicht ganz so sauber. Hinter den Kulissen drehte es sich beim Konsortium eben doch vorrangig um Effektivität und nicht um Wohlgefühl. Schon gar nicht bei den schlecht bezahlten Arbeitern hier.

Es tat gut, etwas zu unternehmen, daran zu arbeiten, Girbal rächen zu können. Diese Schweine hatten seinen Erzeuger umgebracht, und er würde sie dafür in einen Starkstromgürtel klemmen – sobald er rausgefunden hatte, wer „Sie“ waren.

Der Mann brachte sie in den hinteren Bereich der Halle. Sie ließen das geschäftige Treiben der Gepäckzuordnung hinter sich, bis sie in einem Bereich waren, der vollautomatisiert war. Plötzlich gab der kleine Kommunikator am Handgelenk des Menschen ein Krächzen von sich und er hob es ans Ohr.

Sareil hörte nur seine Seite der Konversation: „Was? Jetzt? Aber ich habe … kann ich nicht erst … sicher. Ja, Chef, mache ich.“

Der Mann war für einen Menschen schon recht alt und sah sie nun aus müden Augen an. „Ich muss mich dringend um was kümmern.“

Er überlegte kurz und kam dann wohl zum Schluss, dass sie vertrauenswürdig waren. „Das Gepäck, was Sie suchen, liegt da hinten in den Regalen. Das hier ist die Codenummer.“ Er reichte Sareil ein kleines Gerät, auf dem eine Ziffernfolge blinkte.

„Vielen Dank!“, sagte sein Geburtsmitling und wandte sich dem Regal zu. Die Bewegungen seines erbärmlich alten Roboterkörpers wirkten abgehackt und ungelenk. Sareil erschauderte bei der Erinnerung, dass er selbst auch einmal in so einem Machwerk gesteckt hatte.

Er ließ seinen Körper das Gerät in die Luft wirbeln, fing es mit der anderen Hand auf und folgte dem Pfeil, der darauf angezeigt wurde.

„Was macht der denn da?“, fragte Milkam, als sie um ein langgezogenes Lieferband voller Gepäck bogen. Sareil blickte auf und sah einen blutroten Vulbrina in der weiß-blauen Uniform eines niederrangigen Kebill-Sicherheitsmannes am Regal stehen. Er klappte eben eine große Messingkugel mit Trageriemen zu, die unzweifelhaft Girbal gehört hatte. Der Mann sah ihn ebenfalls, wirbelte herum und stürmte los.

„Schnapp dir den Kerl“, rief er Milkam zu, der sich sofort in Bewegung setzte. „Ich schau mir an, was er da zu schaffen hatte und komme nach.“

Er rannte zu dem Regal hinüber, sah auf das komplexe elektronische Gerät, das die Kugel verschloss und fluchte leise. Kurzentschlossen rammte er seine Hände in den flachen Spalt und sprengte die Verriegelung mit einem Ruck, der seinen verbeulten Körper an sein Limit brachte. Einige Sicherungen brannten durch und das Bild seines rechten Auges wurde mit einem leisen Brummen etwas dunkler. Doch sein Blick reichte noch aus, um zu sehen, was der Sicherheitsmann in dem Koffer platziert hatte. Es war eine Bombe, und ihr mechanisches Zählwerk klickte gerade von 20 auf 19.

10

Narbatur lehnte sich zurück und rieb sich die Nasenwurzel. Sie verhörten die Frau nun schon seit einer Stunde und kamen nicht weiter. Sie war störrischer als Narjanka, und das wollte etwas heißen. Also stand er auf, ging zum Terminal und machte sich daran, einen Antrag auf psionische Durchleuchtung auszufüllen. Da er mit ein bisschen freier Auslegung „Mordverdacht“ ankreuzen konnte und für die Frau als Kebill-Angestellte die Rechtsordnung des Konsortiums galt, bekam er die Freigabe umgehend.

Er warf Najanka einen bedeutungsschweren Blick zu und der Hakhasu nickte. Dann beugte er sich vor und ließ die Hände auf den Tisch krachen, wobei die Gefangene zusammenzuckte.

„Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder verraten Sie uns, was Sie mit Karma Polzek zu schaffen hatten, oder mein Freund hier spaziert in Ihr Gehirn und durchwühlt es nach Informationen. Ich bin mir fast sicher, dass er dabei noch ein paar andere Verbrechen entdecken wird.“

Narjanka ließ es einfach klingen, aber für Narbatur war eine solche Durchleuchtung alles andere als ein Kinderspiel und selten angenehm.

„Pah!“, stieß die Frau aus und spuckte Narjanka ins Gesicht. „Macho-Unterdrücker.“

Sein Kollege wirbelte mit einem wütenden Schrei herum und schlug auf den Spiegel, in dem sich ein Spinnennetz aus Rissen ausbreitete.

Narbatur seufzte und ließ sich auf dem Stuhl vor der Frau nieder. Er beugte sich vor und wollte ihren Blick einfangen, aber sie senkte den Kopf, schob den Unterkiefer vor und ließ ihre Hauer mit einem unangenehmen Geräusch übereinandermahlen.

Narbatur erschauderte, dann konzentrierte er sich ganz auf die Ausstrahlung der Frau. Horchte auf seinen Atem, versuchte ihn den kurzen, nervösen Stößen der Frau anzupassen. Ließ seine Gedanken zur Ruhe kommen, blendete seinen schnaubenden Kollegen aus, die leisen Geräusche, die von draußen hereinklangen. Dann streckte er unsichtbare Gliedmaßen aus, um ihren Kopf zu umfassen.

Sieh mich an, befahl er, doch die Frau wehrte sich. Ihre Atmung ging jetzt stoßweise und sie spannte die Muskeln an. Doch dies war ein Kampf des Geistes.

Sieh mich an, befahl er erneut und nun hob sich ihr Kopf langsam, zitternd, dann fanden auch ihre Augen seinen Blick. Die Augen waren, zumindest für ihn, der Weg zur Seele, oder in diesem Fall, zu ihren Gedanken.

Er glitt in ihren Geist, spürte Angst, Wut und übermächtigen Trotz. Er schob die Gefühle beiseite, bis er tiefer drang. Dann brachte er mühsam genug Konzentration auf, um den Daumen zu heben.

Narjanka schnaubte erneut, fing dann aber an, Fragen zu stellen. Gedanken und Bilder strömten auf Narbatur ein und vergingen wie schmelzende Schneeflocken. Er konnte nur wenige fassen und noch weniger deuten, aber es reichte aus, um sich ein Bild zu machen.

Karma Polzek hatte Drogen bei ihr gekauft, ebenso wie ein Dutzend anderer Bauarbeiter. Auch die neue Droge, die ihnen soviel Ärger machte. Und sie bekam ihre Drogen von …

Der Strom aus Bildern kam ins Stocken. Sie wehrte sich, hielt ihn davon ab, ihren Händler zu erkennen, aber Narbatur blieb dran. Er bohrte tiefer, und dann steig das Bild eines unglaublich fetten Luolmar in ihr auf und ein Name.

„Taugrom“, keuchte Narbatur und zog sich aus ihr zurück. Sein Kopf pochte, seine Glieder zitterten, und als er die Hand zur Oberlippe führte, spürte er einen dünnen Blutfaden aus seiner Nase laufen.

Die Frau keuchte auf und sank erschöpft auf den Tisch, fluchte leise.

„Prima, knöpfen wir uns den Kerl mal vor“, verkündete Narjanka, zog ihn mitleidslos auf die Beine und schob ihn zum Ausgang. „Wenn wir Glück haben, macht er Ärger und ich kann ihn verprügeln.“

„Verhalte dich ganz natürlich“, wisperte Beta seinem Bruder zu, sah sich noch einmal um, ob Gosen auch keine Sicherheitskraft abgestellt hatte, um sie zu überwachen und nickte dann zufrieden. Als sie die Krankenstation wieder betraten, war Doktor Simli gerade dabei, einem laut zeternden, Halbmenschen, mit dichter, roter Mähne um den Hals und Stilaugen zu versorgen, der auch noch halbbetrunken war. Er hatte eine hässliche Platzwunde. Sie sah kurz auf und Beta nickte ihr nonchalant zu. Sie hätte sich sicher nichts dabei gedacht, die Klone auf der Krankenstation zu sehen, hätte nicht Alpha in diesem Moment betont unauffällig zu pfeifen begonnen.

„Lass das“, raunte Beta seinem Bruder zu, trat ihn gegen das Schienbein und erkannte an Doktor Simlis misstrauischem Blick, dass entweder Gosen sie vorgewarnt hatte, oder sie schlechte Laune hatte. Die fein geschwungenen, schmalen Augenbrauen im dunkelblauen Gesicht wanderten immer weiter zusammen. Zeit für die Geheimwaffe, dachte Beta, nicht ohne Anflug von schlechtem Gewissen und flüsterte Gamma zu: „Der Mann da mit den roten Haaren, der hat ein kleines Hündchen in der Tasche.“

„Oi!“, rief Gamma auf, sprang vor Aufregung zweimal wie ein Gummiball in die Luft und stürmte dann zu dem Patienten. „Wo ist denn dein Hündchen?“, rief er laut und fing an, an dem Mann hochzuklettern. Der fing schallend an zu lachen und Doktor Simli, die immer schon eine Schwäche für Gamma hatte, war abgelenkt. Nachdem Beta sich vergewissert hatte, dass Gamma keine Gefahr drohte, wirbelte er herum und zog Alpha zum Terminal des Spektrographen.

Mit einem einzigen Klick rief sein Bruder die Ergebnisse auf, die Gosen ihnen so knapp vorenthalten hatte, überflog sie und sagte dann verwundert: „Das sind Saht-Hormone!“

„Saht? Wie kommen die denn in den Blutkreislauf eines Menschen?“, fragte Beta.

„Vielleicht sind es Überreste dieser neuen Droge? War die laut der ersten Analysen nicht auch mit Fremdelementen versetzt?“

Alpha rief den entsprechenden Eintrag in der Datenbank auf und überflog ihn. Beta warf einen Blick zu Gamma hinüber, der auf den wippenden Knien des Mannes ritt und quengelnd fragte: „Wo ist denn jetzt der Hund?“

In Momenten wie diesen machte sich der Ausfall ihrer organischen Datenbank besonders schmerzlich bemerkbar.

„Ja, tatsächlich – Saht-Spurenelemente“, bestätigte Alpha schließlich und schloss: „Dann sind diese Hormone vielleicht Nebenprodukte der zerebralen Stimulation.“

Beta hatte eine Idee: „Vielleicht wird die Droge aus Sekreten von Saht-Drüsen gewonnen? Vielleicht gibt es irgendwo eine Zuchtstation, in der die Saht gemolken werden?“

Alpha verzog das Gesicht und beschied. „Ekelig! Aber durch ihre Ähnlichkeit mit Pheromonen werden diese Hormone sicher mit dem Schweiß über die Haut ausgeschieden.“ Alpha wurde ganz aufgeregt. „Und das bedeutet …“

Beta sah ihn nur fragend an und kleine Wellen durchliefen seine Lippenfasern. Er war eben nicht für die logischen, sondern für die emotionalen Momente gezüchtet worden.

„Das bedeutet, dass wir einen Geruchsscanner bauen können, um die Leute herauszufiltern, die diese Droge nehmen, im Idealfall bevor die Aggressivität einsetzt oder sie die nächste Dosis zu sich nehmen.“

„Worauf warten wir noch?“, rief Beta begeistert.

Milkam hetzte nach einem letzten Seitenblick auf Sareil hinter dem Sicherheitsmann her. Der kleine, blutrote Vulbrina wuchs mit einem Mal, nutzte seine Gestaltwandler-Fähigkeiten, um die Beine und Arme zu verlängern und so schneller laufen zu können. Der Abstand nahm zu, und Milkam holte alles aus seinem Körper heraus, doch schon vor den notdürftig reparierten Beschädigungen war er nicht für Geschwindigkeit gebaut gewesen.

Ich muss etwas tun, dachte Milkam und folgte dem Sicherheitsmann durch das Chaos der Gepäckhalle. Der Verfolgte flankte über ein Fließband und hielt auf eine Tür zu. Milkam konzentrierte sich, sprang ebenfalls über das Band und sah den Vulbrina unter einer Brücke herlaufen, über die weiteres Gebäck hinwegwanderte. Ohne darüber nachzudenken streckte Milkam seine Sinne aus und stieß einen großen klobigen Koffer vom Band.

Das Gepäckstück traf den Flüchtenden im Rücken und warf ihn zu Boden, aber im nächsten Moment war er wieder auf den Füßen und riss die Tür auf.

Milkam zwang sich, nicht darüber nachzudenken, dass er zum zweiten Mal in kurzer Zeit seine verkümmerte PSI-Gabe eingesetzt hatte, sondern sprang vor. Der Vulbrina warf die Tür hinter sich zu, aber Milkam schlitterte bäuchlings über den schmutzigen Boden und bekam seinen Arm dazwischen. Statt ins Schloss zu fallen, sprang die Tür wieder ein Stück auf und Milkam kämpfte sich auf die Beine und rannte hinaus.

Der Vulbrina war zum Greifen nah, doch bevor er ihn packen konnte, erstarrte Milkam. Er stand mitten im All!

Reiß dich zusammen, schalt er sich. Sie hatten den Korpus der Station verlassen und liefen über eine breite Wartungstraverse, die zu einem anderen Teil führte. Unter ihnen zündete gerade ein großes Frachtschiff an einem Pylon seine Steuerdüsen, um abzulegen und die Flammen erleuchteten den Vulbrina, der sich umdrehte. Milkam wurde schmerzlich bewusst, dass er nur durch ein Biosiegel von einem Sturz auf den Planeten hinab getrennt war. Das spezialisierte Kraftfeld hielt zwar die atembare Atmosphäre um den Wartungssteg beisammen, würde aber alles andere, beispielsweise seinen Roboterkörper, anstandslos passieren lassen.

„Geben Sie auf!“, bluffte er und hob die Hand. Vielleicht glaubte der Vulbrina, er habe eine Waffe darin eingebaut.

Doch der Sicherheitsmann imitierte seine Bewegung, und in seiner Hand befand sich ein kleines, pulsierendes Gerät. Zu spät erkannte Milkam eine Bogenschlagwaffe, da knisterte sie auch schon auf und ein gleißender Blitz sprang von den Spitzen in seine ausgestreckte Hand über. Ein Teppich aus Funken und kleinen Blitzen bedeckte seinen Arm, wanderte auf seine Schulter und breitete sich über Brust und Kopf aus. Der Roboterkörper wurde einfach ausgeknipst, und nur die Notfallsensoren übertrugen lückenhafte Informationen. Er fiel erstarrt rückwärts um und fluchte über den uralten Körper, der nicht einmal eine EMP-Härtung besaß. Er hörte das laute Scheppern des Körpers auf dem Stahl der Traverse und sah den Vulbrina, der sich mit einem gemeinen Grinsen über ihn beugte. Dann wurde er auf den Bauch gedreht, wodurch sein Oberkörper über den Rand der Traverse hing und er genau in das aufflammende Triebwerk des Frachters starrte, das ihn zu Staub verbrennen würde.

„Guten Flug, Doktor“, spottete der Vulbrina und umfasste seine Beine, um ihn endgültig über den Rand zu kippen.

Pathfinder-Tag in Wiesbaden

Donnerstag, 01. Juli 2010
pathfinder-tag-in-wiesbaden

Am Sonntag, den 11.07.2010 von 9.30 bis 18.00 Uhr Im Nachhilfeinstitut Faultier, Adolfsallee 59, 65185 Wiesbaden.

Zu den Programmpunkten gehören die Begrüßung mit den deutschen Übersetzern und Lektoren, eine Frage- & Antwort-Stunde mit den Verantwortlichen von Pathfinder bei Ulisses. Ein großes Geheimnis wird gelüftet, das die zukünftigen Publikationen von Pathfinder betrifft. Es gibt Vorabexemplare des Spielleiterschirms zu sehen.

Und natürlich finden Pathfinder–Runden statt. Als Ehrengast kommt der Event Manager und Autor von Paizo Publishing Joshua J. Frost und leitet in Englisch selbst eine Runde.

Der Endspiel der Fussball-WM beginnt erst 2 ½ Stunden nach Ende unserer Veranstaltung. Somit kommt keiner von Euch in die Verlegenheit, sich zwischen Pathfinder mit Joshua J. Frost und dem Endspiel entscheiden zu müssen. ;-)

Infos und Anmeldungen hier.

Zur Location

Die Nachhilfeschule Faultier ist eine klasse Location für unseren Event: jede Menge Einzelzimmer, so dass eine Spielrunde nicht die andere stört; ausreichend Bestuhlung und Tische, die sich zu großen Spielflächen zusammenschieben lassen können. Außerdem steht eine kleine Mikrowelle und Wasserkocher vor Ort bereit, wo wir gratis Tee und Instant-Kaffee anbieten. Am Bahnhof gegenüber kann man sich aber auch ohne weitere Probleme ausreichend versorgen (Bäcker, McDonalds, Asia Snack und Mr. Döner vorhanden).

Großes Dankeschön schon mal vorab an Michael W. und das Team der Nachhilfeschule, die uns die Räumlichkeiten freundlicherweise kostenlos zur Verfügung stellen.

Gegenüber der Nachhilfeschule ist das Kaufhaus “Lilien-Careé” unter dem man kostenpflichtig parken kann (nur 3,- Euro für den ganzen Tag ohne Zeitbeschränkung!). Rings um die Schule selbst sind zwar Parkplätze, bei denen das Parken am Wochenende nicht zeitlich eingeschränkt ist, wir raten trotzdem davon ab dort einen Parkplatz Samstags zu suchen. Es ist dort immer voll und die Aussichten extrem gering einen freien zu finden. Zudem erschwert ein Wirr-Warr von Einbahnstrassen eine effektive Suche. Kostenlose Parkplätze befinden sich hinter dem Wiesbadener Hauptbahnhof in Richtung Schlachthof. Weiterhin gibt es hinter dem “Motel One” einen kostenlosen Schotterparkplatz.

Wir empfehlen eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Veranstaltungsort ist 2 Min. Fußweg vom Wiesbadener Hauptbahnhof und von den zentralen Bushaltestellen entfernt.