Das Grauen unter dem Hügel: Paizo und der Cthulhu-Mythos

August 23rd, 2010 von Mario Truant
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Dungeons & Dragons (und in seiner Nachfolge auch das Pathfinder Rollenspiel) schöpft seine Inspiration aus verschiedenen, unter anderem literarischen, Quellen, die bereits 1979 von Gary Gygax (mit Dave Arneson zusammen der Schöpfer des Spiels) im Anhang N des damals aktuellen Spielleiterhandbuch zusammengefasst wurden. Gygax selbst nennt dort die Schriften H.P. Lovecrafts als eine der wichtigsten Quellen für das Spiel. Es ist daher wenig verwunderlich, dass der Cthulhu-Mythos schon in den Frühzeiten des Spiels immer wieder sein vieltentakliges Haupt erhob. So enthielt das 1980 erschienene Götterbuch „Deities and Demigods“ ein speziell für D&D aufbereitetes Cthulhu-Pantheon, was zu einem drohenden Rechtsstreit mit dem damaligen Rechteinhaber Chaosium führte, weswegen in späteren Auflagen die Ctulhu-Referenzen wieder entfernt wurden.

Dennoch blieb der Mythos fester Bestandteil des D&D-Universums. Dämonenfürsten wie Dagon, den auch Lovecraft der irdischen Mythologie entnommen hatte und der deshalb auch für die D&D-Autoren nutzbar war, viele Aberrationen oder auch die Far Realms der 3. Edition integrierten den Mythos auch weiterhin ins Spiel und 2001 veröffentlichte Wizards of the Coast mit „Call of Ctulhu d20“ sogar eine eigens an D&D angepasste Version von Chaosiums Spieleklassiker.

Und auch im Pathfinder Rollenspiel spielt der Mythos eine nicht unwichtige Rolle. Das gilt um so mehr, als mit Erik Mona und James Jacobs (der laut Mona im Besitz nicht nur der kompletten Werke Lovecrafts, sondern auch dessen gesammelter Korrespondenz ist und ein nahezu enzyklopädisch zu nennendes Wissen über den Mythos besitzt) zwei Verantwortliche als ausgewiesene Lovecraft-Fans bekannt sind. Paizos erster Abenteuerpfad „Rise of the Runelords“ war bereits mit Cthulhu-Referenzen gespickt. So wurden beispielsweise die Hunde von Tindalos (mit freundlicher Genehmigung von Chaosium, zu denen Paizo gute Verbindungen pflegt) mit Spielwerten ausgestattet und mit der Halbebene Leng eine weitere Mythos-Schöpfung in die eigene Spielwelt Golarion integriert. Als weiteres Beispiel sei der Shoggothe (Pathfinder Monsterhandbuch 238) genannt, ebenfalls eine Schöpfung Lovecrafts, die nun auch das Pathfinder Rollenspiel unsicher macht.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis Paizo ein Einzelabenteuer veröffentlichen würde, dass sich den Cthulhu-Mythus nutzbar machen würde. Das diesen Monat erscheinende Abenteuer „Grauen unter dem Hügel“ lehnt sich vom Plot her deutlich an Lovecraft’s Kurzgeschichte „Das Grauen von Dunwich“ an. Wie dort müssen auch hier die Helden verhindern, dass die Grenzen zwischen den Realitäten eingerissen und damit den Großen Alten Zugang zur Erde (bzw. Golarion) gewährt wird und hier wie dort sorgt ein zunächst unsichtbares Monster für Angst und Schrecken in einem kleinen Städtchen. Dazu noch ein paar Untote und der obligatorische Besuch in einem Irrenhaus und fertig ist ein Spielerlebnis, dass dem großen Vorlagengeber Lovecraft alle Ehre macht und mehr als geeignet scheint, die geistige Gesundheit der Spielercharaktere in Gefahr zu bringen.

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