Raumhafen Adamant – Ratschlag 31 – Das Finale!

März 27th, 2011 von André Wiesler
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Ratschlag ist eine Fortsetzungsgeschichte von André Wiesler aus dem Raumhafen-Adamant-Universum und spielt vor dem Hintergrund des RAD-Rollenspiels. Sie stellt ein Sequel des RAD-Romans Die vergessene Schlacht dar und wird wöchentlich in diesem Blog fortgesetzt. Die vorhergehenden Episoden können hier eingesehen werden.

31

Beta lief zu Gosen nach vorne und sprang auf den Copilotensitz. Kaum hatte er sich angeschnallt und den Blick durch das Cockpitfenster gerichtet, wünschte er sich, er hätte es nicht getan. Da war keine Hangaröffnung mehr, genauso genommen war da auch nicht mehr viel Hangar. Die Station hielt dem Druck nicht mehr stand und würde sie in ihrer Mitte einschließen.

„Warum ist bei mir nie etwas einfach?“, fragte Gosen ihn grimmig und startete das Raumschiff.

„Schon mal eine Schiffkanone abgefeuert?“

Beta schüttelte entsetzt den Kopf, da schnellte neben ihm ein kleiner Steuerknüppel aus der Lehne. Ein roter Knopf darauf fing an zu leuchten und ein ebenfalls rotes Zielkreuz erschien auf dem Cockpit.

„Dann lernst du besser schnell!“

Beta quiekte leise, räusperte sich und fragte: „Auf was soll ich schießen?“

„Immer auf die gleiche Stelle“, sagte Gosen. „Wir stanzen uns einen Weg raus. Los!“

Beta umfasste den Knüppel und drückte den roten Knopf. Die Verlagerungswelle eines Olmanorgeschützes prallte auf die Außenwand, die immer dicker wurde, weil der Druck Schicht um Schicht Metall nachschob. Die Welle ließ das Metall aufglühen und riss einen Krater hinaus, an dessen Ende man durch ein winziges Loch den Gasplaneten erahnen konnte.

Gosen startete und flog darauf zu.

„Warte noch“, keuchte Beta, während Gosen Trümmerstücken auswich.

„Keine Zeit, Kleiner“, gab Gosen zurück und beschleunigte. Der riesige Hangar war nun nicht mehr viel größer als eine Sporthalle.

Das Geschützt piepste Bereitschaft und Beta schoss erneut, aber diesmal traf er die Wand ein Stück zu weit links. Nun befanden sich zwei Krater darin, beide viel zu eng, um das Schiff hindurchzufliegen.

„Der nächste zählt“, sagte Gosen und beschleunigte noch weiter.

Der Hangar schrumpfte immer schneller und in wenigen Sekunden würde alles hier drin wie eine Fliege zerquetscht. Beta wischte sich die schweißige Hand am Overall trocken.

Das Geschützt piepste, sie waren keine vierzig Meter mehr entfernt. Beta schloss die Augen, atmete tief durch. Einfach treffen, dachte er, öffnete die Augen und feuerte.

Die Welle traf genau in die Mitte der beiden Krater. Flirrend riss sie einen Krater in die Außenwand, der dem Fleutar-Jäger gerade genug Platz bot – leider flogen sie quer zum Riss. Gosen fluchte, ließ den Jäger rollen, doch nicht schnell genug.

Die glühende, scharfe Kante der Station schnitt oben in das Triebwerk und an der Unterseite in den Rumpf, riss ein klaffendes Loch hinein. Beta wirbelte herum und sah, dass die Kante den Körper des Jiar aufschlitzte. Er explodierte in einer Welle grünlichen Schleims, der über die anderen Passagiere spritzte.

Luft entwich zischend, aber dann erwachte flackernd ein Biosiegel zum Leben und hielt die Atmosphäre konstant.

Trudelnd glitten sie durch den Nebel des Gasplaneten und sofort leuchteten zahlreiche rote Warnlampen auf. Auch ihr Schiff würde, obwohl es deutlich stabiler war, dem Druck nicht lange standhalten.

„Musst es immer spannend machen, hm?“, fragte Gosen ihn und Beta grinste zufrieden. Bis Gosen den Steuerknüppel drehte und das Triebwerk ausging.

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Gosen hieb mit der Faust auf die Anzeigenleiste. „Das gibt es doch nicht!“

Als wäre das ein Zauber gewesen, erwachte das Triebwerk stotternd wieder zum Leben. Gosen orientierte sich und machte sich daran, der Schwerkraft des Planeten zu entkommen. Weitere Warnlampen leuchteten auf, aber Gosen ignorierte sie. Der Jäger kämpfte sich langsam, mühselig aus den Nebeln des Planeten und das Stottern des Antriebs wurde immer lauter.

Nur noch ein Stückchen, flehte Gosen. Sie brauchten nur noch einige hundert Kilometer, dann könnten sie einfach auf die Schiffe warten, die schon bald von Adamant aus hierher unterwegs sein würden.

Der Antrieb ging aus. „War ja klar“, dachte er, als das Schiff langsamer wurde. Kurz verharrte, und dann gemächlich wieder auf den Planeten zufiel.

„Das ist jetzt ein schlechter Scherz“, sagte Alpha, der eben ins Cockpit getreten war, einen Blick auf die Anzeigen warf und sein Talent für Deduktion bewies.

Er blickte von Gosen zu Beta und zurück. Dann seufzte er und ließ sich auf den Boden sinken. „Ich mag nicht mehr.“

In diesem Moment ging ein Ruck durch den Jäger. Ein blausilbernes Licht umhüllte sie und dann kam ein großes Sternenratschiff in Sicht. Es zog sie mit seinem Suspensionsstrahl in seine Landebucht.

Gosen starrte einige Augenblicke ungläubig auf das Schiff und sagte: „Also eins muss ich euch lassen. Mit euch wird es nie langweilig!“

Ihr befreites Lachen hallte durch den demolierten Innenraum des Jägers.


Epilog

Narbatur senkte den Kopf, damit der Ratsvorsitzende ihm den Orden überstreifen konnte. Unter lautem Applaus der versammelten Rats- und Kebilbeamten, der Presse und nicht zuletzt einem Großteil seiner Kollegen richtete er sich wieder auf, schüttelte dem Vorsitzenden die Hand und ging zu den anderen hinüber.

Narjanka grinste ihm breit zu. Die Antigravschiene am Bein des Hakhasu zischte leise, als er einen Schritt zur Seite machte, um ihm Platz zu machen. Hinter ihm kam der glänzende, silberne Körper Milkams zum Vorschein, der wirkte, als habe man Quecksilber in eine Form gegossen. Das ausdrucksstarke Gesicht zeigte ein stolzes Lächeln.

Als Narbatur sich einreihte, nickte ihm Gosen von der anderen Seite zu und Tera, die hinter Narbatur stand und deren Bewegungen immer noch etwas steif waren und dies auch noch einige Wochen bleiben würden, drückte kurz seine Hand.

„Bilde dir bloß nicht zuviel darauf ein“, zischte ihm Narjanka zu. „Du bist und bleibst der Kleine.“

Narbatur lachte leise auf. Auf der großen Tribune im Park vor dem Purpur-Versammlungszentrum waren nun als letzte in der Reihe der zu Ehrenden die Klone an der Reihe, ihren Orden zu erhalten. Der Vorsitzende musste sie zweimal aufrufen, dann wurden Alpha und Beta auf die Bühne getrieben.

Sie ließen sich die Orden überstreifen und eilten dann zu ihnen herüber. Während der Ratsvorsitzende unauffällig einen dritten Orden in der Tasche verschwinden ließ und in einer langen Rede noch einmal die Leistung der geehrten betonte, flüsterte Alpha Gosen zu: „Gamma ist verschwunden!“

Gosen schnaubte nur.

Da hörten sie ein lautes Hupen und ein nagelneuer, windschnittiger Gleiter schoss vom Parkplatz auf die Wiese.

„Ist das nicht deiner?“, fragte Narbatur seinen Kollegen, aber das entgeisterte Gesicht des Hakhasu machte eine Antwort überflüssig.

Das Verdeck war heruntergefahren und offenbarte Gamma, dessen dicker Kopfverband wie ein Turban wirkte. Der Klon, dem von seiner Zeit als Hirnfresserwirt nichts mehr anzumerken war, winkte freudig und rief: „Guck Papa, ich kann Gleiter fahren!“

Dabei ließ er das Steuer los und der Gleiter ruckte zur Seite.

Narjanka stieß einen langgezogenen Schrei aus, als der Gleiter gegen einen der Bäume krachte und der Sicherheitsschaum den Innenraum ausfüllte: „Nicht schon wieder!“

Ende

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