Ratcon 2012 – Ein (etwas ausschweifender) Rückblick

August 23rd, 2012 von André Wiesler
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Die Ratcon 2012 ist beendet, das damit einhergehende Schlafdefizit einigermaßen aufgearbeitet und jetzt wird es Zeit, für einen sehr subjektiven und persönlichen Rückblick. Das Con-Wochenende begann am Freitagmittag mit der freudigen Überraschung, dass mein Auto nicht ansprang. Das ist für die Con an sich erstmal unwichtig, die Relevanz wird sich jedoch im weiteren Verlauf erschließen.

Im Wagen eines Kollegen erreichte ich die Stadthalle Unna dennoch rechtzeitig und hatte sogar noch Zeit, mich in der weitläufigen, freundlichen und vor allem sauberen Stadthalle umzuschauen. Ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass die Lokalität auch am Sonntagnachmittag (nach über 1200 Gästen) noch weitläufig, freundlich und im Gegensatz zu früheren Ratcon-Jahren auch im Sanitärbereich immer noch sauber war.

Der Aufbau des Ulisses-Standes war wie üblich als Gemeinschaftsaktion des Personals und unserer fleißigen Conhelfer schnell erledigt, machte in diesem Jahr aber doppelt soviel Spaß, hatten wir doch Highlights wie den Geheimband, limitierte Energydrink-Dosen mit Göttersymbolen und nicht zuletzt großformatige Wandtattoos dabei. Von unserem B-Ware-Stand, der am Samstag enthüllt wurde, ganz zu schweigen. Hier wuchs Clemens als Marktschreier über sich selbst hinaus und beschenkte besonders eifrige Kunden mit Bananen, Äpfel, Dosenbohnen und Katzenfutter (ehrlich!). Ein großer Spaß für alle Beteiligten. Auch Markus Plötz stand persönlich am B-Ware-Stand und hat das gesamte Wochenende mit einem Heidenspaß Sachen an den Mann und die Frau gebracht – das hätte ich ihm gar nicht zugetraut.  Im Video von Orkenspalter kann man während des Interviews zu Uthuria einen kleinen Eindruck davon gewinnen.

Wer sich fragt, was in den vielgelobten Contüten drin war, der kann es sich hier von Mháire von der Late Nerd Show zeigen lassen. Wer es nicht zur Ratcon geschafft hat, hat übrigens auf der DreieichCon noch mal die Gelegenheit, an das Abenteuer T10: Odem der Kälte heranzukommen.

Freitagabend fand zuerst einmal die Enthüllung des Geheimbandes in einem gerammelt vollen Workshopsaal statt. Wie das vor sich ging, könnt ihr in diesem Video nacherleben. Nachdem im Anschluss an die Enthüllungsveranstaltung gegen 22:30 Uhr der Ansturm auf die Elementaren Gewalten langsam nachließ, machten wir den Stand dicht und wollten noch etwas essen gehen. In Unna eine nicht ganz so leichte Aufgabe, wie sich herausstellte. Der aufgespürte Italiener hatte bereits dicht, ebenso wie vermeintlich alle anderen fußläufig erreichbaren Einrichtungen. Bis wir uns dann durchgerungen hatten, beim Schotten einzukehren, war es 23:00 und um diese Uhrzeit machte sogar das Restaurant mit den goldenen Bögen zu. Voller Verzweiflung kauften wir drei Hamburger, zwei Cheeseburger und eine geriatrische Pommes auf, die „noch in der Auslage“ waren, dann fegte man uns vor die Tür. Nur die Tatsache, dass wir gefühlte fünf Meter Luftlinie vom ersten Italiener unversehens einen zweiten entdeckten, der uns sogar um 23:30 noch freundlich empfing, bewahrte uns davor, das Zeug wirklich essen zu müssen. Natürlich beehrten wir ihn am Samstag erneut, was ihn dazu brachte, uns darauf hinzuweisen, dass sie Montag zu hätten. Er wirkte regelrecht erleichtert, als wir ihm verrieten, dass wir Sonntag wieder abreisen würden.

Der Samstag begann für mich gegen 9:00 vergleichsweise früh mit diversen Gesprächen und ein bisschen Standarbeit. Um 11:00 startete Eevie Demirtel dann ihren Workshop zu Exoten im Rollenspiel und Mike Krzywik-Groß las um 12:00 aus Angbar Mortis. Ich trieb mich in der Zeit im Haus herum, gab Interviews und unterhielt mich mit zahlreichen KollegInnen und Gästen. Schon da zeigte sich, dass die Ratcon in diesem Jahr mit deutlich besserer Stimmung an den Start ging, als im letzten Jahr. Auch das Programm neben Das Schwarze Auge wurde gelobt . Die Battletechmeisterschaft und diverse Workshops zu anderen Themen rund um das schönste Hobby der Welt bildeten da nur die Spitze des Eisbergs – gerade bei den Spielrunden zeigte sich schnell, dass unsere Einladung, auch andere Systeme auf die Ratcon zu holen, gern angenommen wurde.

So motiviert begleitete ich Christian Trinczek in seinen Workshop zum Thema Schicksalspfade (hier zu begutachten) und danach fand die Uthuria-Lesung statt. Dazu hatte ich mir den amtierenden Schwergewichts-Respect-Meister im MMA Björn Schmiedeberg geladen, der mich vor laufender Kamera ordentlich vertrimmt hat (und ich ihn – was in den zwei Jahren seitdem ich bei ihm trainiere das erste Mal war). Wie sowas aussieht, könnt ihr hier begutachten.

Eine Stunde Pause nutzte ich um am Meeting Point vorbeizuschlawinern, wo Alex Spohr gerade mit den Spielern über den kommenden Hexenband diskutierte. Es zeigten sich zwei Dinge. Erstens: Auch der Meeting Point wurde gut angenommen und produktiv zum Dialog genutzt. Zweitens: Im nächsten Jahr muss der woanders hin! Die zentrale Lage war ein Plus, wog aber die Lärmkulisse nicht auf. Gerade wo wir bei den Spielrunden sehr drauf geachtet hatten, ein ruhiges Spiel zu gewährleisten, haben wir beim Meeting Point ein bisschen ins Klo gegriffen. Kommt auf die Merkliste, ebenso wie die Tatsache, dass ich mal bei einem Voodoo-Priester vorbeischauen und meine Gremlins weghexen lassen muss.

Wann immer ich nämlich gen Abend zum Stand zurückkam, ging das Licht aus. Ein Techniker konnte das Problem schließlich beheben, aber das sollte nicht das letzte technische Missgeschick bleiben, dass – da bin ich mir sicher – auf meinen Familienfluch zurückzuführen ist (ich habe dazu mal eine Kolumne verfasst). So sorgte ein weiterer technischer Patzer dafür, dass die PDF-Codes, die wir für die Spielleiter-Westen gestiftet hatten, nicht problemlos eingelöst werden konnten.

Aber das Wetter war gut, die Laune noch besser und zumindest überall wo ich nach einem Stimmungsbild gefragt habe, waren alle sehr zufrieden mit der Ratcon. Es gibt immer etwas zu verbessern, und das werden wir unter Berücksichtigung der von euch im Forum und in Mails an die Feedback-Adresse vorgebrachten Vorschläge auch machen, aber nach meinem Dafürhalten hat die Ratcon unter Reiner Heeps kundiger Hand einen hervorragenden Neustart hingelegt.

Mit Schlag den Redakteur haben wir uns die Freiheit genommen, einfach mal ein bisschen albern zu sein und Spaß mit euch zu haben. Es scheint uns geglückt – die gute Stimmung kommt auch im Video zur Veranstaltung rüber.

Bei der Produktvorstellung war unter anderem Uthuria, das ich seit kurzem als Chefredakteur betreue, ein Thema. Thomas Bender von Dorp-TV war so freundlich, nicht nur die Kamera auf die gesamte Produktvorstellung zu richten (der komplette Film hier) sondern hat sogar noch ein Uthuria-Special zusammengeschnitten, dass ihr hier sehen könnt.

Die anschließende Fragestunde empfand ich als sehr produktiv und angenehm. Viele der Ideen nehmen wir mit in die Entwicklung kommender Projekte. Wenn euch noch etwas eingefallen ist, oder beim Anschauen des Videos eigene Fragen aufkommen, stellt sie uns im Forum oder schreibt an die feedback@ulisses-spiele.de.

Die tapfere Eevie hat gleich im Anschluss noch zwei weitere Workshops gehalten und ich rechnete schon fest damit, sie ins Hotel tragen zu müssen, aber die Unermüdliche hat nicht nur ihr Programm absolviert, sondern war auch danach noch für alle zu sprechen. Ebenso wie Michael Mingers, der sich mit Clemens zusammen schon vorher mit der Batteltech-Community getroffen und rege ausgetauscht hatte, Alex Spohr, der diverse Meeting-Point-Programmpunkte begleitete und Daniel Simon Richter, der unermüdlich und mit großem Einsatz das MPA am Laufen hielt.

Um 21:00 wurden dann diverse Preisträger  (u.a. des Auf Aves Schwingen-Wettbewerb) gekürt und der Magister der Magister ausgefochten, mit Fragen wie (nicht genau, aber in etwa so): „Was geschah am 3. Praios 140 BF?“ – „Der Kaiser beschloss, fürderhin nur noch auf einem statt auf zwei Kissen zu schlafen.“ Aber im Ernst: Große Hochachtung für das Fachwissen, das die beiden Finalisten bewiesen haben. Bis auf eine Frage hätte ich sie allesamt – trotz zwanzigjähriger Das Schwarze Auge-Erfahrung als Autor und Spieler und Quellenbüchern auf dem Nachttisch – nur mit Hilfe des Internets (oder der restlichen Das Schwarze Auge-Redaktion) beantworten können, und die Fragenden Gesichter im Publikum lassen mich für die meisten anderen Ähnliches ahnen.

Der Sonntag brachte (wieder viel zu früh, aber immer noch gut gelaunt) u.a. die szenische Lesung aus den beiden Dunkle-Zeiten-Romanen von Judith C. Vogt. Sie wurde verstärkt durch Eevie Demirtel, der man die harten Con-Tage schlichtweg nicht anmerkt, selbst in Slowmotion nicht (wer selbst schauen möchte: Hier der Film). Beneidenswert.

Meine eigene Con-Blässe wurde allerdings noch fahler, als ich am Montag bemerken musste, dass die Gremlins am Sonntag erneut zugeschlagen hatten. Prompt zum Ende der DZ-Lesung hat nämlich unser formschönes und leistungsstarkes Mikro unbemerkt den Geist aufgegeben – oder eher: Die Batterie hat den Geist aufgegeben. Das Endergebnis bleibt sich aber gleich: Alles, was ich nach 13:50 aufgenommen habe, ist stumm.

Das ist doppelt ärgerlich, da zwei meiner persönlichen Highlights am Sonntagnachmittag lagen und jetzt nur zum Stummfilm und für Lippenleser taugen. Da war zum einen die Taladur-Lesung, auf der fünf der sechs AutorInnen der Reihe vor Ort waren und teilweise aus noch unveröffentlichten Büchern vorlasen und zum anderen die Podiumsdiskussion. Gerade letztere hat ein paar spannende Fragen aufgeworfen und teilweise auch beantworten können. Sehr ärgerlich, dass dieses Zeitdokument verloren ist. So bleibt mir nur, euch auf die Berichte darüber im Internet zu verweisen, beispielsweise bei Sphärengeflüster (Ramona saß im Panel der Diskussion).

Der Sonntag klang für mich entspannt aus, denn ich diskutierte sehr angeregt und angenehm mit einigen Interessierten über dies und das und besprach, wie Ulisses von den Fans wahrgenommen wird und wie wir uns manche Dinge gedacht haben, die dann völlig anders aufgenommen wurden. Weniger angenehm waren die düsteren Blicke der KollegInnen, als mir auffiel, dass ich mich vor lauter netten Gesprächen gerade vor dem Abbauen drückte. Man sah dann jedoch dankenswerterweise doch davon ab, mir die letzte Dose Katzenfutter zu verabreichen.

Stattdessen verabschiedeten wir uns und waren uns einig: Die Ratcon hätte gerne noch ein bis zwei Tage länger sein können. Ich freue mich schon sehr aufs nächste Jahr – dann  hoffentlich ohne Gremlins. Der neue Termin steht auch schon fest: 30. August bis 1. September.

Euer André

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