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Tagrichter: Dramatis Personae 3

Mittwoch, 05. Oktober 2011
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Pünktlich zum Erscheinen des neuen Das Schwarze Auge-Romans Tagrichter von Dorothea Bergermann gibt es wieder einen kurzen Einblick in die Liste der handelnden Personen. Dieses Mal stellen wir einen weiteren Praios-Novizen, einen jungen rastullahgläubigen Novadi und eine traviatreue Gastwirtin vor.

Rhys ist ein auf der falschen Seite des Bettes geborener Sprössling des Hauses vom Großen Fluss. Wen genau er Vater nennen kann, hält Rhys sorgfältig geheim, aber seine Verwandten schätzten ihn genug, um ihm das Studium am Seminar der Wehrhalle in Elenvina zu ermöglichen. Dort erwarb er sich rasch einen Ruf als aufgeweckter und arbeitsfreudiger Student – aber genauso schnell sammelte der prügelfreudige Junge Karzertage zur Besinnung.

Allerdings schlägt Rhys sich nicht mit jedem. Er sucht die besondere Herausforderung. Zusammen mit ein paar Gleichgesinnten vermöbelt er mutmaßliche Phex-Novizen. Als die regelmäßigen Straßenschlachten zwischen Novizen und Lehrlingen im Handwerkerviertel überhandnahmen, verhängte der Scholasticus eine rigide Ausgangssperre. Nun sitzt Rhys des Abends gelangweilt auf seiner Pritsche im Novizenschlafsaal und plant die große Revanche gegen die Phexensjünger.

“Unter uns – niemand in dem Hörsaal wusste, wie die wandernden Magi besteuert werden. Wir waren alle nur glücklich, dass er jemand anderen gefragt hat.”

Hiram ben Rashim

Der achtjährige Sohn des novadischen Pferdehändlers Rashim kennt sein eigenes Volk nur aus Erzählungen und von den jährlichen Pferdemärkten am Rande der Khôm. Vater Rashim bemüht sich redlich, seinem Sohn die 99 Gesetze des All-Einen nahezubringen, und obwohl Hiram von Zwölfgöttergläubigen umgeben ist, richtet er seine Gebete nicht an die Frauen Rastullahs.

Er ist ein Wirbelwind auf dem Marktplatz, und mancher Händler hat den kleinen Novadi und seine Freunde schon verflucht und verwünscht. Aber als er von einem Magus den Auftrag erhält, einen schweren Stein verschwinden zu lassen, fällt ihm nichts Besseres ein, als ihn in ein überlaufenes Gasthaus zu bringen und der Tochter des Wirts zu geben. Dies erweist sich gleichzeitig als die beste und schlechteste Entscheidung in seinem jungen Leben.

Phejanca Wirt

Als Travisbert Zimmermann seine mütterlich-rundliche Verlobte aus Gareth mitbrachte, nahm man sie im Handwerkerviertel freundlich auf. Travisbert war wohlgelitten, und das verfallende Anwesen seiner Familie blühte unter Phejancas fester Hand rasch wieder auf. Überhaupt erwies sich die Zimmermannsgattin als äußerst glückliche Verwalterin. Ihre Investitionen trugen schnell Früchte, und das Vermögen der jungen Familie wuchs beinahe schneller als ihre Kinderschar.

Bald konnte sich Travisbert in die Ränge der Elenviner Handwerksmeister einkaufen, und seine Frau eröffnete ein Gasthaus, in dem sich Gesellen wie Meister gleichermaßen wohlfühlten. Aber auch durchreisende Geweihte und Prediger vom Bund des wahren Glaubens wurden bald auf die neue Wirtschaft aufmerksam und quartierten sich bevorzugt dort und nicht in der Wehrhalle ein.

Mittlerweile hat Phejanca ein Dutzend leiblicher Kinder und ungezählte Paten- und Pflegekinder. Auch ein paar Waisen bietet sie ein sicheres Heim. Dass sie oft im Travia-Tempel zu finden ist und das Viertel im Gemeinderat vertritt, ist selbstverständlich. Allerdings kann sich niemand im Handwerkerviertel erklären, warum sie nun schon zum zweiten Mal die Akoluthenwürde im Dienste Travias abgelehnt hat.

“Gerade Markttage sind Schlachttage, Alrik. Du bekommst ein halbes Schwein, eine Schlachtplatte oder Metzelsuppe. Ganz, wie du es bezahlen kannst. Ein Rindvieh wie dich konnte ich leider nicht finden, sonst würde ich es dir glatt auftischen.”

Tagrichter: Dramatis Personae 2

Freitag, 30. September 2011
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Es sind nur noch wenige Wochen, bis der neue Das Schwarze Auge-Roman Tagrichter erscheint. Ein paar Personen könnt ihr schon vorab in unserem Blog kennenlernen. Allerdings übernehmen wir keine Gewähr, dass diese schmackhaften Einzelheiten wirklich plotrelevant sind.

Dieses Mal machen wir einen Abstecher auf die taghell erleuchtete Seite Elenvinas: Die Wehrhalle und ihre Bewohner.

Im Gegensatz zu seinem prominenten Kollegen Praiodan von Luring nennt Seine Gnaden, der ehrwürdige Inquisitor Praiodan nur einen einzelnen Namen sein Eigen. Zwar dürfte er, wie andere Geweihte auch, den Namen seines Heimattempels tragen, aber der Namenszusatz ‘von Gareth’ gehört doch einer sehr prominenten Familie, und der Spross eines almadanischen Händlersgeschlechts achtet auf ein gutes Augenmaß. Vielleicht aus diesem Grund unterhält er auch gute Kontakte zu den heimlicheren Phex-Geweihten und verfügt über Freunde an unverhofften Orten.

Seine offiziellen Dokumente tragen die Handschriften der besten Schreiber des Mittelreichs – Praiodan selbst kann zwar lesen, aber seine Handschrift und Orthographie lehren jedem ungebildeten Tagelöhner das Fürchten.

“Ah, du hast das »Kleine Werk der Sonne« gelesen. Am Ende dieser Argumentation liegt die Erkenntnis, dass ein missgelauntes ‘Guten Morgen’ an einem regnerischen Tag eine schwere Sünde gegen den Herrn Praios darstellt und mit acht Stunden durchgängigem Gebet gesühnt werden muss.”

Isida von Berghöfen: Entgegen des hochtrabenden Namens ist Isida ein einfaches Bauernkind aus der Ortschaft Berghöfen in den Nordmarken. In der Praiostagsschule fiel sie bald ob ihrer schnellen Auffassungsgabe auf. Ein scharfer und kritischer Verstand gingen damit einher. Als der verzweifelte Dorfpriester sich an eine durchreisende Praios-Geweihte wandte, nahm diese das gerade elfjährige Mädchen in ihr Gefolge auf. Nach einem Jahr Unterricht in Religion, Lesen, Schreiben und Bosparano kam Isida ans Seminar der Wehrhalle des Praios in Elenvina.

Bald darauf zierte die gestochen scharfe Handschrift der jungen Novizin die gesamte offizielle Korrespondenz des Inquisitors Praiodan. Aber ein paar in jugendlicher Unbedarftheit gefällte Entscheidungen machen Isida angreifbar.

“Zu wem gehörst du wirklich? Warum lügst du, Praios möge dir verzeihen? Und was machst du hier eigentlich?”

Seine Gnaden, Ritter Aureolus Hemger vom Orden des Bannstrahls Praios, dient seinem Herrn Praios mit Leib und Seele. Er dringt auf bedingungslose Ehrlichkeit, verabscheut Magie und kennt sich in der Rechtsgeschichte des Mittelreichs wie kein Zweiter aus. Ein Gefallen trug ihm einen Lehrauftrag am Seminar der Wehrhalle ein, wo er hofft, ein paar Novizen für seinen Orden gewinnen zu können. Seine Studenten fürchten seine unmöglichen Aufgabenstellungen nur geringfügig weniger als die donnernden Abfragen am folgenden Vormittag.

Mit Adara und Faisal verbindet ihn eine langjährige Feindschaft. Faisal ist als Magus der schwarzen Gilde von vorneherein nicht zu trauen, und Adaras notorisch lockerer Umgang mit der Wahrheit bringt Aureolus schon bei der Erwähnung ihres Namens in Rage.

“Mir liegen Vorwürfe zur Nichtbeachtung der konventionellen Kleiderordnung, Bruch des Arcanum Interdictum, Missachtung kirchlicher Würdenträger und eine Beschuldigung zu dämonischer Schadzauberei zum Töten eines unbeseelten Lebewesens vor. Möchtet Ihr Euch hierzu äußern?”

Tagrichter: Dramatis Personae 1

Dienstag, 20. September 2011
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Um die Wartezeit auf ihren im Oktober erscheinenden Das Schwarze Auge-Roman Tagrichter zu verkürzen, hat die Autorin Dorothea Bergermann ein paar Einblicke in ihre Charaktere vorbereitet. Beginnen wir also in den Schatten und Niederungen der weniger angesehenen Gesellschaftsschichten Elenvinas.

Perainhilf Sensner stammt aus einer Tagelöhnerfamilie, die außer ihrer Freiheit wenig besitzt. Übermäßige Schulden bei einem Elenviner Saatguthändler zwangen Perainhilfs Eltern dazu, ihren dritten Sohn als Arbeitskraft an eben diesen zu verkaufen. Aber dem Jungen gefiel die Arbeit als Ackerknecht nicht. Er versprach einem Elenviner Bürger, dass er neun Jahre für ihn arbeiten würde, wenn der ihn freikaufte und ihm ein ordentliches Handwerk beibrächte. Dass er sich damit als Phex-Novize und zukünftiger Advokat verdingt hatte, ging Perainhilf erst ein paar Tage später auf.

Gegenwärtig leistet er als ältester Novize die meisten Altardienste. Adara Barent und Faisal ibn Ahmed sind seine glühenden Vorbilder, denen er unglaublich altruistische Motive unterstellt.

“Wenn du mir einen Posten als Altarhelfer bei Adara Barent verschaffst, bringe ich dir alles bei, was ich über Rechtskunde weiß!”

Dagegen wusste Ingrima Schneider, die findige Tochter einer Hebamme, schon früh, dass das Nachbarhaus nicht nur der gut geführte Hof einer kinderreichen Familie war. Dafür gab es einfach zu viel Gesinde, und trotz der regelmäßigen Familienbesuche im Travia-Tempel fehlte es der Frömmigkeit an Überzeugung. In einer Frühlingsnacht überredete Ingrima ihren besten Freund Reiko zu einem Erkundungsgang durch die Vorratskeller des Nachbarhauses. Hinter einem mit Konserven vollgestellten Regal fanden sie eine Tür in die Getreidekammer, und darin einen weiteren versteckten Durchgang. Am Ende der Schnüffelei platzten die beiden in einen prächtig mit Sternen ausgemalten Gewölbekeller – und in die jährliche Zehntverhandlung des Phex-Tempels.

Reiko war nicht bereit, sich an die Götter zu verdingen und suchte sich mit dem Segen des Vogtvikars in Angbar eine Lehrstelle als Schmied. Ingrima blieb dem heimlichen Gott als Novizin erhalten. Jeder Kurier in die eine oder andere Richtung trägt einen Brief der beiden Jugendlichen mit sich.

Zusätzlich wettet Ingrima leidenschaftlich gern. Allerdings gibt sie nur dann hohe Einsätze ab, wenn sie sich über den Ausgang gewiss ist.

“Rücks raus! Wir haben eine Wette am Laufen. Ich will wissen, wie viel ich bekomme!”

Die fröhliche Runde beendet ein schwarzes Schaf: Tsaiane von Punin, geborene Maren Wirtstochter.

Sowohl sie als auch ihr Zwillingsbruder Sönke, der mittlerweile den Namen Amavulpus trägt, wurden mit ihrer Initiation zu Höherem berufen. Sönke ging mit dem Segen seiner Travia und Phex verbundenen Mutter zum Tempel der Sterne nach Gareth, aber Tsas Ruf stieß bei Tsaianes nordmärkisch-sturen Eltern auf völliges Unverständnis. Also wagte sie mit zwölf Jahren ihren ersten eigenen Neuanfang ohne Familie – im Regenbogentempel zu Punin.

Nun, Jahre später und um einige Erfahrungen reicher, macht Tsaiane einen Versöhnungsbesuch zu Hause. Sie hat nicht damit gerechnet, dass sie in der von Geweihten überlaufenen Stadt Elenvina Hebamme, Heiler und Seelsorger gleichermaßen ersetzen muss.

“Ich kann es nicht glauben! Der Gottesdienst hat noch nicht einmal angefangen und schon prügeln sich die Novizen als hätten sie keinen Verstand. Herrscht hier Frieden!”

Leseprobe: Tagrichter

Freitag, 09. September 2011
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Im Oktober erscheint von Dorothea Bergermann der Roman »Tagrichter«, Folgeband zu ihrem im April letzten Jahres erschienenen Debütroman »Nachtrichter« (DSA #118). Die Autorin berichtet für das Ulisses-Blog von ihrer Arbeit an ihrem zweiten eigenständigen Werk:

Der »Tagrichter« ist mein zweiter Roman und meine dritte DSA-Publikation: Neben den Romanen habe ich auch an der von Carolina Möbis redaktionell betreuten Novellenreihe »Hundstage« mitgearbeitet. Eigenartigerweise schrieben sich die ersten zwei Manuskripte trotz vieler ablenkender Nebenereignisse relativ leicht. Das lag unter anderem daran, dass ich meinen Teil der Hundstage geschrieben habe, nachdem der Nachtrichter ins Lektorat ging, aber bevor er erschien.

Nachdem der Nachtrichter in die Hände seiner Leser gelangte, lechzte ich nach Kritiken. Ich erhielt einige, manche glühende Liebeserklärungen, andere bitterböse Verrisse. Das ist natürlich Autorenschicksal. Ein dickes Fell in Sachen Kritik gehört dazu. Aber man versucht doch, etwas von der Publikumsreaktion zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist ein ganz schön starker Druck. Mit dem Tagrichter saß ich vor einem leeren Monitor und verzweifelte daran, jemals den perfekten Anfang zu finden.

Aber ich kenne mich auch. Irgendwo muss ich anfangen, damit ich in Richtung Ziel Fahrt aufnehmen kann. Das ist wie ein Arbeitstitel – der Beginn meiner Geschichte ist bis zum letzten Moment verhandelbar. Den tatsächlichen Romananfang schreibe ich erst, wenn der Roman ein Ende hat – das ist der erste Schritt der Überarbeitung, denn nur wenn das Ende zu meiner Zufriedenheit steht, finde ich auch den richtigen Zeitpunkt, um mit der Handlung einzusetzen. Also schrieb ich los, und acht Seiten Anfang vom Anfang flogen gleich zu Beginn der Überarbeitung heraus.

Und so beginnt der Roman, ganz klassisch, am Stadttor von Elenvina mit einer kleinen Maskerade.

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Tagrichter kann hier vorbestellt werden.